Das neue Jahr fängt gut an – wenigstens für die Bundesbürger, die in den Genuß der ersten Stufe der Steuerentlastung kommen. Das sind etwa elf Milliarden Mark, vor allem für Familien mit Kindern. Und 1988 will der Staat nochmals auf gut acht Milliarden verzichten, diesmal auch zugunsten der Besserverdienenden.

Vor Euphorie allerdings muß gewarnt werden. Zwanzig Milliarden scheinen eine vertretbare Größe, die den mühsam kurierten Staatsfinanzen nicht gleich wieder riesige Defizite bescheren. Doch wer (wie die Minister Bangemann und Stoltenberg) daraus bald vierzig oder gleich sechzig Milliarden machen will, verkauft pure Illusionen.

Vor allem verdient die Politik der Milliardenversprechungen nicht das Prädikat "Steuerreform". In keiner Weise hat sie die Neuordnung unseres undurchschaubaren und deshalb ungerechten Systems der verschiedensten Zwangsabgaben zum Ziel. Ein paar Milliarden unters Volk zu streuen und noch mehr fürs nächste Jahrzehnt zu verheißen, das ist zwar wohlfeil, aber nicht billig.

smi