ARD, Mittwoch, 15. und 22. Januar, jeweils 20.15 Uhr: "Cortuga", zweiteiliger Film von Edwin Maran.

Elend in der Dritten Welt und ihre Ausbeutung durch die Industrienationen, Revolution und Gegenrevolution – die Probleme unserer Zeit scheinen für das deutsche Fernsehspiel in weite Ferne gerückt angesichts blühender Schwarzwaldwiesen und übermächtiger Alltagssorgen netter Familien von nebenan. Doch so ganz ist das vielgeschmähte kritische Fernsehspiel nicht totzukriegen. Endgültig mögen jene rührigen Redakteure das Feld nicht räumen, die Probleme in Form des populären Fernsehspiels einem breiten Publikum näherbringen zu können hoffen.

Einen solchen Versuch stellt auch der zweiteilige Film "Cortuga" dar. Cortuga steht für ein kleines mittelamerikanisches Land zwischen Rechtsdiktatur und Befreiung; Nicaragua liegt offensichtlich nicht weit.

Um die Bananenrepublik dort zu verbessern, wird der deutsche Biologe Mike Berger von seiner Firma, einer multinationalen Fruchtcompagnie nach Cortuga geschickt. Während er sich nach der Art westlicher Manager mit den Verhältnissen arrangiert, mag sich seine Frau Eva nicht in ihre neue Rolle als attraktives Anhängsel auf den öden Partys der Oberschicht einfinden. Sie engagiert sich für die sozial Schwachen und gerät im Lauf der Zeit zwangsläufig in immer heftigeren Konflikt mit der politischen Macht – und den damit verbundenen Geschäftsinteressen ihres Mannes. Nach dem Sieg der linken Revolution spitzt sich die Lage zu. Die beiden Deutschen werden von den gegenrevolutionären "Contras" gekidnappt und geraten in Lebensgefahr.

Doch "Cortuga" ist kein Politthriller. So läßt die Kamera sich Zeit, die Neuankömmlinge aus Europa auf ihrer ersten Entdeckungstour durch das fremde Land zu begleiten. Manchmal fast ermüdend lange Einstellungen zeigen Eva Berger auf ihrem Streifzug durch das Armenviertel von Cortuga, eine improvisierte Stadtlandschaft aus Matsch und Bretterbuden. Heruntergekommene Spelunken, wo die Gäste – wie in einem schlechten Witz – zu Pferde an die Theke reiten.

Das sind spröde Bilder, denen die Exotik und Studio-Glätte gegenwärtig üblicher Fernsehproduktionen fehlt. Und auch wenn man der flotten Middle-Class-Frau ihre Läuterung zur Revolutionärin nicht ganz glauben mag, so gelingen dem polnischen Regisseur Edwin Mann doch immer wieder Momente, in denen uns zu Bewußtsein kommt, daß wir alle in unserer Ignoranz nicht unwesentlich für die Verhältnisse in der Dritten Welt mitverantwortlich sind. Dies fängt nicht erst in den Vorstandseugen von Wirtschaft und Politik an, sondern bereits beim Gemüseeinkam. Bananen aus Cortuga statt Orangen aus Südafrika: Das wäre vielleicht ein erster Schritt. Krischan Koch