Vor allem ein Berliner ist Kurt Mattick gewesen. Er ist dort nicht nur geboren. Der Sozialdemokrat, Journalist in späteren Jahren, besaß lange Zeit (von 1953 bis 1980) ein Berliner Bundestagsmandat. Es ist nicht verkleinernd gemeint, wenn man ergänzt: Für Bonn war Mattick keine Schlüsselfigur. Er stand für Berliner Interessen – und für "Deutschland als Ganzes".

Mattick war ein stiller, zäher, eher beharrlicher Politiker. Zur SPD stieß er schon 1926. Ähnlich wie Egon Franke verkörperte der gelernte Maschinenschlosser ein Stück jener Sozialdemokratie, die nach proletarischer Kindheit und Jugend aus Verstand, Moral und Selbstverständnis heraus fast automatisch antifaschistisch dachte. Sein Name, schrieb Willy Brandt zum Tode des 77jährigen jetzt, bleibe "mit dem Widerstand gegen die Gewaltherrschaft unlösbar verbunden".

Nicht zuletzt deshalb wurde der stramm rechte Sozialdemokrat auch von innerparteilichen Widersachern akzeptiert. Und er hatte Widersacher! Auch manche, die er sich selber machte. Mattick war kein Einiger.

Was dem Berliner dann doch zu einer eigenen Berliner Rolle verhalf, über seinen Vorsitz im Ausschuß für innerdeutsche Beziehungen hinaus, war das Engagement für die Ostpolitik. Als Berliner stand er dafür mit ein: einer jener glaubwürdigen, überzeugenden Bürgen, die Brandts Politik dringend brauchte.

gho.