Die deutsche Wirtschaft kann eine Aufwertung der Mark verkraften

Von Klaus-Peter Schmid

Immer, wenn das Wochenende naht, wird es spannend. Denn dann sind die Devisenmärkte geschlossen, und Europas Währungspolitiker könnten in Ruhe das erledigen, was ihnen eigentlich schon seit einiger Zeit ins Haus steht: eine Neuordnung der europäischen Wechselkurse.

Es liegt primär nicht an den Mitgliedern des Europäischen Währungssystems (EWS), daß die Paritäten im System und damit das Wertverhältnis der Währungen zueinander neu geregelt werden müssen. Überall in Europa sinken nämlich die Inflationsraten, wird Sparen (mehr oder weniger) großgeschrieben, tendiert die Konjunktur nach oben.

Doch König Dollar bringt alles durcheinander, obwohl er gar nicht am EWS partizipiert. War er vor einem Jahr noch unumschränkter Herrscher auf den internationalen Kapitalmärkten, so ist er seitdem auf dem Rückmarsch. Am 22. September vergangenen Jahres beschlossen die Finanzminister und Zentralbankchefs aus den Vereinigten Staaten, Japan, Großbritannien, Frankreich und der Bundesrepublik, den Dollarkurs zu drücken – und seit dem Schwur von New York geht’s bergab.

Noch im Februar letzten Jahres kostete ein Dollar 3,47 Mark. Anfang Oktober waren es noch 2,68 Mark, doch am Jahreswechsel war die magische Marke von 2,50 Mark bereits um vier Pfennig unterschritten. Heute kann niemand voraussagen, wann die Talfahrt zu Ende ist.

Wenn der Dollaran Wert verliert, dann steigen natürlich viele Spekulanten aus der amerikanischen Währung aus und suchen sich andere Anlagen, zum Beispiel in Europa. Im vergangenen Frühjahr zum Beispiel schien der französische Franc attraktiv. Die Zinsen in Frankreich waren besonders hoch, die Mark gleichzeitig relativ schwach.