Augsburg

Der Fall sorgte für Aufsehen: Im April des vergangenen Jahres starb in der Privatklinik von Professor Julius Hackethal am bayerischen Chiemsee eine 69 Jahre alte, an Gesichtskrebs erkrankte Patientin, nachdem sie Zyankali genommen hatte. Nun hat, nach eineinhalb Jahren dauernden Ermittlungen, die Staatsanwaltschaft in Traunstein Anklage gegen Hackethal, Hans-Henning Atrott – den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) – sowie zwei weitere Personen erhoben. Hackethal wird der Tötung auf Verlangen beschuldigt, Atrott sowie die beiden weiteren Personen sind der Beihilfe angeklagt. Atrott räumt ein, das Zyankali besorgt zu haben. Die DGHS, ein eingetragener Verein mit Sitz in Augsburg und bundesweit 12 000 Mitgliedern, versteht sich – so steht es im Paragraph zwei ihrer Satzung – „als eine Bürgerrechtsbewegung zur Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts des Menschen bis zur letzten Minute“ und „als Vertretung jener Bürger, die sich das Recht auf eine Sterbensverkürzung aus humanitären Gründen sichern wollen“.

ZEIT: Herr Atrott, das Gift, so sagt der Staatsanwalt, bekam Professor Hackethal von Ihnen. Hat die Staatsanwaltschaft in Traunstein recht?

Atrott: Ich stelle kein Zyankali her, und ich habe auch keine Lizenz, Zyankali zu vertreiben. Ich kann hier nur mittelbar wirken. Insofern hat die Staatsanwaltschaft recht.

ZEIT: Sie haben das Zyankali besorgt und Professor Hackethal gegeben?

Atrott: Ich habe an der Übertragung mitgewirkt. Ich wollte der Patientin einen schmerzfreien und selbstverantworteten Tod ermöglichen helfen. Meine Hilfe galt allein ihr. Andere wurden mit eingeschaltet, weil diese Hilfe – sogar gegenüber der Patientin – nicht bekannt werden sollte. Dies wurde zuvor mit Professor Hackethal vereinbart, und ohne diese Vereinbarung hätte ich in dieser Angelegenheit nicht geholfen.

ZEIT: Wie sieht das humane Sterben aus, das Sie sich vorstellen?