Richard Salzl, 45 Jahre alt, katholisch, ist Pfarrer in Penting, neun Kilometer vom Bauplatz der Wiederaufarbeitungsanlage entfernt.

Wo in der Bibel steht geschrieben, Atomkraft sei Teufelswerk?

Da muß man erst mal fragen, was das heißt: Teufelswerk? Der Mensch baut etwas, von dem er meint, er hätte es im Griff. In Wirklichkeit entgleitet es ihm, hat Folgen, die er nicht will, wirkt zerstörerisch. „Ich gebe euch diese Welt, damit ihr sie bebaut und bewahrt“ – das steht im Buch Genesis des Alten Testaments. Der Atommüll strahlt zum Teil länger als 10 000 Jahre. Die biblische Verpflichtung, „du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, meint nicht nur die Nächsten neben uns, sondern auch die, die nach uns kommen.

Könnten Sie sich Jesus Christus unter den Besetzern vorstellen?

Ja. Er hat sich oft zu den Außenseitern gesetzt und ist dafür von den Frommen seiner Zeit sehr angegriffen worden.

Was würde er den Polizisten sagen

Als Jesus einmal vom Knecht des Herodes geohrfeigt wurde, hat er gesagt: „Habe ich übel geredet, so beweise, daß es böse sei. Habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich?“ Vielleicht würde er heute ähnlich reagieren.