Verwalten reicht nicht mehr – Bürgermeister werden Manager

Von Hermann Funke

Im Haus des Bundesbauministers Oscar Schneider und in den Chefetagen unserer Rathäuser zirkuliert seit kurzem eine Schrift, deren Thesen sich als Offenbarung gerieren. Sie trägt den Titel: The Entrepreneurial American City (Die amerikanische Stadt als Unternehmer) und stammt aus dem Ministerium für Wohnungsbau und Stadtplanung in Washington.

Dessen Dienstherr, Samuel R. Pierce, schreibt im Vorwort, daß die gegenwärtige Woge des Entrepreneurism im ganzen Land die Zukunft der städtebaulichen Entwicklung Amerikas bestimme. Er sei stolz darauf, daß der Automobilkonzern General Motors und die Vereinigung Partners for Livable Places an dieser Schrift mitgearbeitet haben, und Entrepreneurism sei genau das, was Präsident Reagan den wieder erweckten amerikanischen Geist nennt.

Ich dachte natürlich, daß dieser Geist kein anderer ist als unser Geist der Wende also weniger Staat und Obrigkeit, mehr private Initiative, kein Dirigismus, sondern Vertrauen auf die Kraft der Marktwirtschaft.

Aber falsch.

Der Geist des Entrepreneurismus ist im Gegenteil darauf zurückzuführen, daß die amerikanische Stadt das Vertrauen auf die heilenden Kräfte des freien Markts verloren hat. Sie hat erkannt, daß gerade das freie Spiel der Marktmechanismen Probleme schafft und daß alles noch schlimmer werde, wenn man es den Kräften des Marktes überließe.