Ein Klon von Zellen besteht aus der Nachkommenschaft, die durch wiederholte und sukzessive (in genetischer Hinsicht symmetrische) Zellteilungen aus einer Elternzelle hervorgeht. In einem gewissen Sinne ist daher jeder ausgewachsene Organismus ein aus der Zygote abstammender Klon. Als "Klone" kann man auch die Nachkommen von ganzen Organismen bezeichnen, die sich ungeschlechtlich fortpflanzen.

Inhaltlich hängt der Begriff an der identischen Replikation. Eineiige Zwillinge, die ja aus der Teilung eines befruchteten Eis in zwei gleiche Teile entstanden sind, stellen daher einen Klon ersten Ranges dar. In der Tat sind die Eier von Säugetieren grundsätzlich zur Bildung von Klonen, also zur Erzeugung einer großen, wenn nicht gar unbegrenzten Zahl von Kopien aus einem Prototyp geeignet. Um einen so tollkühnen Plan in die Tat umzusetzen. müßte sich ein befruchtetes menschliches Ei unter Gewebekultur-Bedingungen durch Zellteilung vermehren, und es müßten in ausreichender Menge junge Pflegemütter bereitstehen, die hormonal auf die Einpflanzung einer Eizelle vorbereitet sind. Besondere technische Schwierigkeiten bereitet das nicht; was an Voraussetzungen zusammenkommen müßte, wären der Ehrgeiz, das Begonnene zu vollenden, ein gewisses technisches Geschick – und Verrücktheit.

In der Science Fiction jedoch und in wissem Ausmaß auch im allgemeinen wußtsein wurde die Bedeutung des "Cloning", der Erzeugung von Klonen, noch erweitert. Danach wird der Kern der Eizelle durch den Kern einer Körperzelle eines Menschen ersetzt, der vervielfältigt werden will oder soll – sagen wir: eines verrückten oder eitlen Millionärs.

Über genau dieses Thema hat ein gewissenloser Wissenschaftsjournalist eine angebliche Dokumentation verfaßt, von der er behauptete, es handele sich um eine wahre Begebenheit; gleichzeitig erklärte er, er sei durch Eid verpflichtet, Diskretion zu wahren, so daß es nicht möglich war, die Richtigkeit der Geschichte (beziehungsweise die Redlichkeit ihres Verfassers) zu überprüfen. Das Buch war mit einem scheinbar wissenschaftlichen Anhang versehen, der ebenfalls ein geschicktes Manöver darstellte, die Spuren zu verwischen. Die Autoritäten, die der Autor angeblich konsultiert hatte, wurden Pseudonym zitiert. Viele haben sich von dieser Lügengeschichte einwickeln lassen, die dem Ruf des Verfassers wie des Verlegers nach unserer Ansicht sehr abträglich ist.

Nach gründlicher Erwägung nahen wir es für ausgeschlossen, daß Klone von Menschen in dieser besonderen Bedeutung, nämlich einer Wahl des Genotyps, erzeugt werden können. Von Klonen war derzeit in der Pflanzenzucht die Rede. Es handelte sich zunächst um die wohlbekannte Vermehrung von Pflanzen durch Ableger, Ausläufer, Knospen und Pfropfung; inzwischen umfaßt der Begriff Cloning auch die Aufzucht ganzer Pflanzen (etwa ganzer Karottenpflanzen) aus einzelnen Zellen. Dieser Wortgebrauch hängt mit den zuvor erwähnten Bedeutungen insofern zusammen, als der eigentliche Wortsinn – die ungeschlechtliche Vermehrung von genetisch identischen Kopien – erhalten bleibt.

Aus dem philosophischen Lexikon der Biologie "Aristotle to Zoos" von Peter B. Medawar und Jean S. Medawar