Von Ulrich Stock

Wackersdorf

Aus dem frommen Wunsch "Christus segne die Bleibe", lateinisch "Christus Mansionem Benedicat", kurz CMB, entstanden irgendwann die Namen der Heiligen Drei Könige: Caspar, Melchior und Balthasar. Eben jene drei zogen am Montag dieser Woche jubilierend über den Bauplatz der Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Kernbrennstoffe im Taxöldener Forst bei Wackersdorf. Sie wollten die provisorischen Bleiben der Atomkraftgegner segnen.

Balthasar, in die Gestalt eines kleinen blonden Mädchens geschlüpft, sang mit piepsiger Stimme durch ein Megaphon: "Wir grüßen euch Bürger von Wackerland/Von Regensburg sind wir gesandt./Wir finden euer Hüttendorf wunderbar,/Gott schütze euch vor aller Gefahr."

Der letzte Tag dieses Freistaates im Freistaat (Postanschrift: Wackerland, 8464 Wackersdorf) verlief unbeschwert. Tausende Besucher sahen sich um, und Alois, der Trommler, hatte noch einen umjubelten Auftritt. Er, der 52 Jahre alte Tankschutz-Fachingenieur aus Mainz, seit sieben Monaten "Friedensarbeiter" – bei jeder größeren Demonstration schlägt er stundenlang sein Tamburin –, bedankt sich vor der Menge für die gute Verpflegung in den letzten siebzehn Tagen, die das Hüttendorf stand. "Ich habe etwas zugenommen", rief er durch das Mikrophon von der "Waldbühne", "die Polizei wird es diesmal etwas schwerer mit mir haben."

Viele erinnerten sich da der rührenden Szene: Bei der Räumung des ersten Hüttendorfes kurz vor Weihnachten stand Alois als letzter aufrecht auf dem "Freundschaftshaus" und machte dumdadum-dumdadum, bis vier Polizisten ihn an Armen und Beinen griffen und wegschleiften. Alois erlitt einen Kollaps. Japsend wurde er auf einer Liege festgeschnallt und von Sanitätern davongetragen, das Tamburin fest an sich gedrückt.

Der Landrat von Schwandorf, Hans Schwerer, hat Alois ein neues Trommelfell geschenkt. Atomkraftgegner Schuierer, von der Welt als "Gandhi in der Oberpfalz" verspottet, sprach nur kurz am Montag. Nachdem in zweieinhalb Wochen wohl 50 000 Menschen das Gelände besucht hatten, meinte er, "dieser Ansturm ist wohl auch in München mit Interesse registriert worden".