Von Irene Mayer-List

Mehr als zwölf Monate sind vergangen, seit ein Film der englischen Fernsehgesellschaft BBC die Welt mit dramatischen Bildern aus den Hungergebieten Äthiopiens erschütterte. Vieles wurde inzwischen bewegt. Seit Oktober vergangenen Jahres konnten sechseinhalb Millionen Menschen mit Nahrungsmitteln und Medizin versorgt werden. Allein die Bundesbürger spendeten an einem einzigen "Tag für Afrika", am 23. Januar 1985, mehr als hundert Millionen Mark – ein eindrucksvolles Zeugnis der Hilfsbereitschaft. Aber werden sie weiter spenden? Da gibt es Zweifel. Denn 1985 war nicht nur das Jahr einer einmaligen westlichen Hilfsaktion in Afrika. Es war auch das Jahr, in dem die Hilfe an die Dritte Welt zum ersten Mal laut und öffentlich kritisiert und ein Zahlungsstopp gefordert wurde.

Zwar zielen die Kritiker – abgesehen von einigen notorischen Nörglern – dabei nicht auf die Katastrophenhilfe, doch zweifeln sie an der langfristigen Hilfsstrategie, an der die westlichen Entwicklungspolitiker nun schon seit mehr als zwei Jahrzehnten herumexperimentieren. Sie sind der Meinung, daß diese Hilfe – besonders in Afrika – bis jetzt wenig getaugt, ja sogar zu gefährlichen Fehlentwicklungen geführt habe: Wenn heute auf dem schwarzen Kontinent dreißig Millionen Menschen hungern, wenn sich die Wüste ausdehnt und die Bauern auch auf fruchtbaren Böden nichts mehr für die heimischen Märkte anbauen, dann sei daran nicht allein die Dürre schuld, sondern mehr noch die Politik afrikanischer Regierungen, unterstützt von westlichen Hilfsorganisationen.

Haben die Kritiker recht? Hat die Entwicklungshilfe – abgesehen vom Katastropheneinsatz – wirklich mehr geschadet als geholfen? Und kann man aus den Fehlern lernen oder soll man für Entwicklungshilfe nicht mehr spenden? Zu diesem Thema seien zwei Bücher empfohlen, die sich mit der afrikanischen Krise auseinandersetzen und die von unterschiedlichen Standpunkten aus zum selben Schluß kommen: Wir müssen weiter helfen, allerdings gezielter und umsichtiger:

Lloyd Timberlake: Africa in Crisis. The causes, the eures of environmental bankruptey; Earthscan Paperback, London 1985; 233 S., 3.95 Pfund

Rupert Neudeck: Afrika – Kontinent ohne Hoffnung? Unsere Hilfe hilft; Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 1985; 285 S., 7,80 DM.

Lloyd Timberlake, früher Wissenschaftsredakteur der englischen Nachrichtenagentur Reuters, schrieb sein Buch für Earthscan. Das ist eine kleine Organisation in London, die hauptsächlich von niederländischen, skandinavischen und amerikanischen Entwicklungsagenturen, aber auch vom Ölmulti Exxon unterstützt wird. Seit zehn Jahren versucht Earthscan mit exzellenten Seminaren und Publikationen über die ökologischen Probleme in der Dritten Welt zu informieren. Die breit angelegte Analyse der afrikanischen Krise soll demnächst auch in deutscher Übersetzung im Wuppertaler Peter Hammer Verlag erscheinen.