Schöne Erfolge können auch die deutschen Investmentfonds im Börsenjahr 1985 aufweisen. Ende November kletterte das Fondsvermögen aller im Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) vereinten Unternehmen erstmals über die Hundert-Milliarden-Mark-Grenze.

Insbesondere die deutschen Aktienfonds können sich mit ihren Ergebnissen für 1985 durchaus sehen lassen. Im Schnitt brachten es die Aktienfonds auf Wertsteigerungen ihrer Anteilswerte von rund sechzig Prozent. Die besten – wie etwa Dekafonds oder Adiverba – kamen mit einem Plus von 68,2 Prozent beziehungsweise 66,8 Prozent nahe an die Steigerungsraten der bundesdeutschen Aktienindices heran (das Kursbarometer des Statistischen Bundesamtes, der Gesamtindex der Aktienkurse, ist binnen Jahresfrist um 73 Prozent gestiegen).

Auf den ersten Blick mag dieses Ergebnis in den Augen mancher Anleger enttäuschend sein. Besser als der Durchschnitt, wie er mit einem Gesamtindex gemessen wird, müßten die Fondsmanager eigentlich abschneiden können, lautet ihr Vorwurf. Das klingt plausibel, tatsächlich können die professionellen Anlagestrategen der Investmentbranche das aber kaum schaffen;

Da ist zunächst einmal die sogenannte Liquiditätsreserve, die die Fonds für den Rückkauf von Anteilen aus ihrem Kundenkreis halten müssen. Im vergangenen Jahr waren das nach Angaben des BVI immerhin rund sieben Prozent des Gesamtvermögens, die die Aktienfonds nicht gewinnbringend an der Börse investieren konnten. Auf der anderen Seite zehrt auch die Risikostreuung, die Verteilung des Anlagevermögens auf Aktien vieler Gesellschaften und Branchen, an der Rendite.

Das zeigt schon ein Blick auf die Kursentwicklung einzelner Wirtschaftsbereiche im abgelaufenen Jahr. So konnten, wiederum nach Berechnung des Statistischen Bundesamtes, die Großbanken ihren Börsenwert 1985 um 143,4 Prozent steigern, die chemische Industrie brachte es aber nur auf ein Plus von rund 52 Prozent. Die Aktionäre der Zementindustrie mußten sich sogar mit einem Anstieg der Kurse von 1,5 Prozent begnügen.

Investmentsparer, die das berücksichtigen, können mit den Ergebnissen der besten Aktienfonds im abgelaufenen Jahr also sehr zufrieden sein. Sechzig oder gar siebzig Prozent Wertzuwachs hat die große Masse der Direktanleger im vergangenen Jahr mit ziemlicher Sicherheit nicht erzielen können. Dazu war die Kursentwicklung in einzelnen Branchen und Unternehmen zu unterschiedlich.

Man muß im Gegenteil sogar annehmen, daß die Aktienfonds 1985 fast optimal abgeschnitten haben, denn die Börsenentwicklung kam diesen Gesellschaften sehr entgegen. Das große Geld wurde nämlich mit Standardwerten wie zum Beispiel den Großbanken oder VW und Daimler verdient. Das aber sind Papiere, die auch in den Portefeuilles der Fonds zu finden sind.