Zeitungszar Robert Hersant mißachtet die Gesetze und brüskiert die Regierung

Von Roger de Weck

Paris, im Januar

So spricht der Verleger Robert Hersant über seine Journalisten: "Wenn ich sie zum erstenmal treffe, bitte ich sie um Erlaubnis, pissen zu gehen. Beim zweitenmal pisse ich ohne Genehmigung. Beim drittenmal pisse ich sie an." Doch als der Magnat jetzt seinem Imperium die älteste Zeitung Frankreichs einverleibte, Le Progrès, kürzte er das Verfahren ab und pinkelte ohne Aufschub die Redakteure an. Für jeden, der aus Protest seinen Abschied nehme, "werde ich dem Himmel danken", verkündete Hersant.

Aber nicht nur das Ansehen der Journalisten, sondern auch jenes der Regierung wurde von ihm besudelt. Mit dem Kauf des vor 127 Jahren in Lyon gegründeten Progrès setzte sich Robert Hersant über das Pressegesetz zur Wahrung des Pluralismus hinweg: ein Gesetz, das die regierenden Sozialisten einzig zu dem Zweck verabschiedet hatten, Hersants Vormarsch zu stoppen und seine Vormacht zu brechen. "Ein parteiisches und rückständiges Edikt", höhnte der eigenmächtige Verleger in einem Leitartikel. Niemals werde er sich "der pervertierten Ordnung unterwerfen".

Hersants Gesetz ist das des Stärkeren, ja des Stärksten in ganz Frankreich. Er nennt zwei Dutzend Tageszeitungen und ebenso viele Wochenschriften sein eigen. In zwei Dutzend Départements nimmt er bald eine Monopolstellung ein. Der einst angesehene, zum Kampfblatt heruntergekommene Figaro und das Boulevardblatt France-Soir bescheren ihm vierzig Prozent der Auflage aller überregionalen Zeitungen; in der Provinz erkaufte und eroberte er einen Marktanteil von zwanzig Prozent. Lyon, die zweitgrößte französische Stadt, hat nun außer dem kommunistischen Käseblättchen nur noch Hersant-Gazetten.

"Eine Provokation!" Im Gespräch mit der ZEIT machte Premierminister Laurent Fabius seinem Ärger Luft. Einmal mehr ist seine Regierung von Robert Hersant übertölpelt worden. Das Katzund-Maus-Spiel hatte bereits 1982 begonnen. Damals drängte Präsident Mitterrand den Großverleger zum Verkauf seines Massenblattes France-Soir an einen linken, regierungshörigen Geschäfts- und Strohmann. Monatelang ließen sich die Unterhändler des Elysee an der Nase herumführen, bis ihnen Hersant unverhofft einen Korb gab – er hatte nicht im Traum erwogen, France-Soir abzutreten.