Von Eckart Kleßmann

Als der Dichter und Komponist E. T. A. Hoffmann am 1. Mai 1809 eine neue Wohnung am Zinkenwörth in Bamberg bezog (heute: Schillerplatz 26), schrieb er ins Tagebuch: "Neue angenehme Wohnung bezogen mit herrlicher Aussicht in Berg und Tal. Auch ein Poetenstübchen dabei." Diese Wohnung ist die einzige Heimstatt des großen Erzählers, die erhalten geblieben ist; Hoffmann und seine Frau Michalina haben sie bis zu ihrem Wegzug aus Bamberg am 21. April 1813 bewohnt.

In diesem sehr schmalen Haus hatten die Hoffmanns den zweiten Stock bezogen mit Wohnzimmer und Küche; im hinteren Teil des Dachgeschosses befand sich das Schlafzimmer, im vorderen Teil das "Poetenstübchen", von dem es in "Johannes Kreislers, des Kapellmeisters, musikalische Leiden" heißt: "Meines Hauswirts Kater ... macht dicht neben meinem Fenster (es versteht sich, daß mein musikalisch-poetisches Laboratorium ein Dachstübchen ist) der Nachbars-Katze, in die er seit dem März verliebt ist, die chromatische Skala hinaufjammernd, zärtliche Geständnisse."

Mag sein, daß hier eine allererste Inspiration zum Roman vom Kater Murr aufkam; tatsächlich geschrieben wurden im "musikalisch-poetischen Laboratorium" die ersten "Kreisleriana", der "Don Juan", die "Nachrichten von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza", die Opern "Dirna" und "Aurora" und das große Trio in Es-Dur.

Vermieter waren der pensionierte Hoftrompeter Johann Eusebius Kaspar Warmuth und seine Ehefrau Anna Margarethe, die im Erdgeschoß und im ersten Stock mit ihren fünf Kindern lebten (von denen einige aber schon groß und ausgezogen waren, als die Hoffmanns einzogen). Wieviel Miete Hoffmann zu zahlen hatte, ist nicht bekannt. Des Dichters Tagebuch erwähnt lediglich im Februar 1813 einen "höchst unangenehmen Auftritt mit der Warmuth wegen schuldiger Miete".

Das "Poetenstübchen" wurde 1923 als Erinnerungsstätte an den Dichter und Komponisten eingeweiht, sechs Jahre später folgten die beiden Räume im zweiten Stock. Erst 1984 konnte die E. T. A.-Hoffmann-Gesellschaft auch den ersten Stock als Hoffmann-Museum nutzen, wobei versucht wurde, den ursprünglichen Zustand der Räume wiederherzustellen; geplant ist, eines Tages das ganze Gebäude einer umfassenden Renovierung zu unterziehen, dazu gehört natürlich auch die Instandsetzung des Erdgeschosses.

Das originale Mobiliar existiert längst nicht mehr; man hat sich jedoch Mühe gegeben, das ursprüngliche Aussehen in etwa wiederherzustellen. Erhalten geblieben ist aber die verschließbare viereckige Öffnung im Fußboden des "Poetenstübchens", die zwar eigentlich der Wärmezufuhr von unten nach oben diente, für den Dichter aber zu allerhand Späßen und zur verbalen Kommunikation mit seiner Frau diente. Ausgestellt in Vitrinen sind Erstausgaben, Graphiken und Noten Hoffmanns sowie Illustrationen zu seinen Werken Hoffmann ist einer der meistillustrierten Dichter der Weltliteratur). Die "herrliche Aussicht in Berg und Tal" ist dahin; der Blick von seinem Schreibtisch geht heute auf Bambergs Häuser, darunter Hoffmanns Wirkungsstätte, das heute seinen Namen tragende Theater.

Einziger Schönheitsfehler des Hoffmann-Museums: seine Öffnungszeiten. Es hat nämlich nur von April bis Oktober geöffnet, und das auch nur nachmittags von 16.30 bis 17.30 Uhr sowie sonnabends, sonntags und feiertags von 9.30 bis 10.30 Uhr. Daß die Stadt nicht in der Lage ist, diesem Provinzialismus abzuhelfen, ist beschämend. Die wahrlich nicht begüterte Hoffmann-Gesellschaft hat 16 000 Mark in die Renovierung investiert, kann aber nicht auch noch Aufsichtspersonal finanzieren. Bambergs Staatsbibliothek besitzt inzwischen die größte Hoffmann-Sammlung der Welt, aber der einzig erhaltene Platz, an dem der Dichter und Komponist Hoffmann tätig gewesen ist, verharrt die meiste Zeit des Jahres im Dornröschenschlaf.