Wie das Ungeheuer aus dem Loch Ness so tauchte seit mehr als hundert Jahren immer wieder zur Sauregurkenzeit das Projekt eines Tunnels unter dem britischen Kanal auf. Der erste praktikable Plan stammt aus dem Jahr 1880. Nun herrscht derzeit aber gar keine Nachrichtenflaute. Also haben sich Präsident Mitterrand und Premierministerin Margaret Thatcher in Lille wohl wirklich geeinigt. Dafür spricht auch, daß sie sich für den billigsten und eher hausbackenen Chunnel entschieden haben: einen schlichten Eisenbahntunnel, technisch beinahe eine Routinesache.

Es ist dennoch mehr, als man der europa-fernsten aller seit Kriegsende in Großbritannien Regierenden zugetraut hätte. Warum macht sie das? Natürlich Kann England ebenso wie Frankreich ein derart gewaltiges Arbeitsbeschaffungsprogramm gut gebrauchen. Welche Folgen der Tunnel haben wird, kann sich jedoch erst herausstellen, wenn vermutlich keiner der beiden Unterzeichner mehr im Amt ist. Daß Großbritannien dann aufhörte, eine Inselgruppe am Rande Europas zu sein, hoffen die einen und fürchten die anderen vergebens.

Besonders grundlos ist die atavistische britische Angst, Feinde welcher Art auch immer könnten nun ungehindert vom Kontinent auf die Inseln vordringen. Wie die Dinge liegen und wie der Tunnel konstruiert werden soll, hülfe gegen solches Ungemach ein relativ harmloses und in England vielfach erprobtes Kampfmittel: ein Eisenbahnerstreik. Leo