Im Streit um die Zukunft der Hubschrauberfirma Westland und im Konflikt zwischen Michael Heseltine und Margaret Thatcher gibt es noch keinen eindeutigen Sieger.

Der zurückgetretene Verteidigungsminister Margaret Thatchers hat in der eigentlichen Sache einen Teilerfolg errungen: Dem von Heseltine favorisierten europäischen Konsortium ist es gelungen, die amerikanische Option, welche die Aktionäre der Hubschrauberfirma Westland vorgezogen hätten, erst einmal zu vereiteln. Sollte es dem Westland-Vorstand aber gelingen, doch noch eine Annahme des amerikanischen Sikorski-Angebots mit einfacher Mehrheit zu erzielen, hätte Heseltine, wie Nato-Generalsekretär Lord Carrington sagte, der von ihm vehement verfochtenen europäischen Sache einen schlechten Dienst erwiesen.

Heseltines Wort gilt aber den meisten Briten mehr als die Behauptungen seines Gegenspielers, des Thatcher-Paladins und Handelsministers Leon Brittan. Daran hat auch das Ende des Streits zwischen Brittan und Admiral Sir Raymond Lygo, dem Chef von British Aerospace, nichts geändert. Der Admiral hat seine Anschuldigungen widerrufen, Brittan habe ihn wegen der Beteiligung seiner Firma an dem europäischen Konsortium unter schämten Druck gesetzt. Jetzt fühlt sich Brittan rehabilitiert. Das Heseltine-Lager und andere Thatcher-Gegner sehen in dem Rückzieher des Admirals aber nur ein schäbiges Manöver: Sir Raymond wollte eben weitere Regierungsaufträge für British-Aerospace nicht gefährden.

Niemand hat sich in der Affäre mit Ruhm bedeckt. Margaret Thatcher wird angelastet, daß sie ihre Minister, vor allem auch Heseltine, nicht an ihr Prinzip staatlicher Nichteinmischung in die Angelegenheiten eines privaten Unternehmens binden konnte. Die Quittung zeigt sich in dem für die Regierung katastrophalen Befund der Meinungsforscher: Wenn jetzt Unterhauswahlen stattfänden, würden nur 29 Prozent der britischen Wähler für die Konservativen stimmen.

Die Thatcher-Gegner haben in Heseltine einen Helden gefunden. Sollte Margaret Thatcher in den kommenden Monaten Erfolge vorweisen können – die Wirtschaft auf Touren halten, die schon lange versprochenen Steuersenkungen durchfuhren (die wegen des Sturzes der Ölpreise fraglich geworden sind), die hohe Arbeitslosigkeit zumindest eindämmen – dann werden der im Grunde triviale Streit um die Sanierung von Westland wie auch der vermeintliche Märtyrer Heseltine vielleicht bald in Vergessenheit geraten. Von der Hinterbank des Unterhauses wird der frühere Verteidigungsminister aber mit Unterstützung der Medien dafür kämpfen, daß es nicht dazu kommt.

Roland Hill (London)