Am Tor der Wehklage, wie die Araber den Südausgang des Roten Meeres nennen, droht der Bürgerkrieg ein Land zu zerstören. Tausende starben während der vergangenen Tage im Südjemen.

Die Tragödie der kleinen, armen Nation wird zum Dilemma für jene Großmacht, die das Land viele Jahre als willfährigen Trabanten betrachtete. Hilflos beobachtet die Sowjetunion, wie zwei Cliquen, die beide im Namen des Kommunismus antreten, den strategischen Außenposten in eine weltpolitische Belastung verwandeln. Interveniert Moskau zugunsten einer der Bürgerkriegsparteien, verscherzt es sich die letzten nach Afghanistan in der islamischen Welt verbliebenen Sympathien. Bleiben die Russen aber untätig in diesem Bruderkrieg, dann verlieren sie ihr Gesicht bei den Alliierten in der Dritten Welt, deren Zahl sowieso schwindet: Moçambique und Angola gehen ihren eigenen Weg; Syrien und Libyen sind ganz unsichere Größen in Moskaus Spiel; die einstigen Hauptverbündeten Somalia und Ägypten orientieren sich längst in westlicher Richtung.

Der Westen hat freilich keinen Anlaß zur Schadenfreude. Was Moskau in Aden widerfährt, hat Washington in Beirut erlitten; die gescheiterten Hegemonialträume der Westeuropäer im Nahen Osten sind bereits Geschichte. Im Sand Arabiens hat bislang jede Großmacht ihre Grenzen erfahren. HJG