Fast auf den Tag genau vor dreißig Jahren, am Donnerstag, dem 26. Januar 1956, ist das erste "Gespräch am Bankschalter" aus der Feder von K. W., alias Securius, alias Kurt Wendt in der ZEIT erschienen. Seither hat er Woche für Woche – nur gelegentlich durch einen Urlaub unterbrochen – unter dieser Rubrik seinen "verehrten Lesern" Hinweise auf die Entwicklungen an der Börse, auf den internationalen Kapitalmärkten oder im Steuerrecht gegeben, die für den Sparer und Geldanleger wichtig sind. Er hat Empfehlungen ausgesprochen, sich aber auch nicht gescheut, vor dubiosen Angeboten zu warnen.

Kurt Wendt war beispielsweise einer der wenigen, die sich von Anfangserfolgen von IOS nicht blenden ließen. Nur die Hälfte von Berni Cornfelds Lockruf "Gebt uns euer Geld, wir machen euch reich" hat er immer zum Nennwert genommen – und das auch seinen Lesern gesagt. Daß er dabei gegen die herrschende Meinung anschrieb, hat ihn ebensowenig abgeschreckt wie die in solchen Fällen immer drohenden und oft angedrohten Klagen auf Schadensersatz. Je windiger ein Anlageberater ist, desto rabiater schlägt er meist zurück, wenn ihm Entlarvung droht. Doch Securius wußte immer, wie man sich gegen solche Angriffe wehrt.

In der deutschen Presse gibt es nur wenige Kolumnen, die über einen so langen Zeitraum ohne Unterbrechung erschienen sind. In dieser Ausgabe finden Sie nun den ersten und den letzten Bankschalter. Kurt Wendt hat die Altersgrenze erreicht und scheidet aus der Redaktion der ZEIT aus. Er wird dem Blatt aber weiter als Mitarbeiter und Berater verbunden bleiben. Auch wenn es sein letzter Bankschalter ist, sein letzter Artikel ist es noch lange nicht. Darüber freuen wir uns.

Michael Jungblut