Zwei Stücke, drei Bühnenbilder. Kein Blick nach draußen. Das einzige Fenster ist mit Brettern vernagelt.

Neun Herren, eine Frau, ein Kind. Wir blicken in die Innenwelt der Männerwelt. Kein Blick geht nach draußen, kaum ein Gedanke. Es geht ums Geschäft, auch ums blutigste, den Mord.

Drei Bühnenbilder von Rolf Glittenberg. Das erste: ein chinesisches Restaurant, vermutlich Chicago. Hier treffen sich die Geschäftsmänner zu ihren Geschäftsessen. Ort der Verschwörungen, der falschen Hoffnungen, der schmutzigen Händel. Zweites Bild: ein Immobilienbüro nach einem Einbruch, demoliert. Die Geschäfte gehen, inmitten der Verwüstung, weiter. Dann ist der erste Teil des Abends, David Mamets "Hanglage Meerblick", zu Ende. Der amerikanische Autor (1947 in Chicago geboren) hat das Drama einem seiner Idole gewidmet, Harold Pinter.

Dessen Jüngstes Stück "Noch einen letzten" ("One for the Road", 1984) zeigt das Stuttgarter Schauspiel nach der Pause. Ein drittes Bild, wiederum eines der Zerstörung. Ein großbürgerlicher Salon, überall Spuren einer wüsten Lustbarkeit: (mit Blut?) beschmierte Wände, auf dem Boden umgestürzte Lampen, Kleiderfetzen, Luftschlangen, zertretene Lampions. Der Mann, den wir sehen (ist es der Hausherr?) sieht so rabiat und übermüdet aus, als habe er an der vergangenen Ausschweifung gründlich teilgenommen. Er schließt kurz die Augen, konzentriert sich, wie ein Musiker vor dem ersten Einsatz. Dann betritt sein Opfer die Bühne.

Zwei Konversations-Stücke. Die dramatischen Ereignisse, auch die Verbrechen, geschehen außerhalb der Bühne. Rede-Stücke. Aber mehr noch Spiele mit dem Schweigen, mit dem Nicht-Gesagten, Unsäglichen, Verborgenen.

Das konventionelle Salonstück sagt wenig, plaudert viel. Ständig wiederholt es mit Worten, was wir auch ohne Worte verstünden. In Mamets knappem Stück (neunzig Minuten) wie in Pinters dramatischer Skizze (dreißig Minuten) soll alles, worüber man redet, das verbergen, worüber man reden müßte. Unter dem Salon ist der Abgrund, oder ein Folterkeller.

"Hanglage Meerblick": Fünf Angestellte der Immobilienfirma Mitch und Murray beim erbarmungslosen Kampf jeder gegen jeden. Shelly Levene (etwa fünfzig) ist einmal der erfolgreichste Verkäufer gewesen; ehrfürchtig nannten ihn alle (und am ehrfürchtigsten er sich selber) die "Maschine". Seit geraumer Zeit hat er eine Pechsträhne; die Maschine wird alt, funktioniert nicht mehr richtig, bald wird man sie verschrotten.