Mal ganz in Weiß wie die "Königlichen" von Real Madrid, mal ganz in Rot wie die – einst gefürchteten – "Roten Teufel" vom Betzenberg: die Fußball-Bundesliga trägt am liebsten "uni". Die Trikots in den guten alten Traditionsfarben der Klubs bleiben immer häufiger zu Hause. Die jungen Profis, die des Geldes wegen von Klub zu Klub wechseln, haben kaum Interesse mehr an Tradition.

Selbst für einen Mann wie Felix Magath, der seit 1976 beim HSV spielt, hat der Begriff "Rothosen" als Markenzeichen für den hanseatischen Traditionsverein keine Bedeutung mehr. "Wenn wir in die Kabine kommen, liegen die Trikots, gleichgültig in welcher Farbe, griffbereit da. Ich weiß nur, daß ich die Nummer 10 habe.

Als der HSV 1983 den Europacup der Landesmeister im Finale gegen Juventus Turin gewann, spielte die Mannschaft ganz in Rot. Die traditionellen HSV-Farben aber sind: rote Hose, weißes Hemd, blaue Stutzen. Felix Magath, der das Tor des Tages schoß, muß zugeben: "Ich kann mich nicht erinnern, in welchem Dreß wir damals in Athen gespielt haben."

Einige Monate später, beim Weltcup-Finale gegen den südamerikanischen Cupsieger Porto Alegre in Tokio, hatten die Hamburger nicht einmal mehr die berühmten roten Hosen im Reisegepäck. Sie wollten ganz in Weiß spielen, ihr brasilianischer Gegner ebenfalls. Notgedrungen wurde der HSV-Zeugwart losgeschickt, um irgendwo in den Warenhäusern der japanischen Hauptstadt 15 passende "Rothosen" aufzutreiben. Es gelang.

"Old Erwin" Seeler, Vater von "Uns Uwe", kann über solche Geschichten gar nicht lachen. "Für uns war es selbstverständlich", sagt er, "daß wir in weißen Hemden, roten Hosen und blauen Stutzen spielten. Darauf waren wir stolz."

Auch Helmut Schön, der ehemalige Bundestrainer, erinnert sich nicht ohne Wehmut, die Frage, welche Farben er beim Dresdner SC gehabt habe, kann er ohne Zögern beantworten: "Rotes Trikot, schwarze Hose, schwarze Strümpfe mit rotem Umschlag." Und er weiß auch noch: "Wenn wir damals gezwungen waren, unser weißes Ausweich-Trikot anzuziehen, dann haben wir auch im Sommer unser rotes Hemd drunter angezogen und den roten Kragen nach außen gelegt. Wir waren wohl abergläubisch."

Abergläubisch sind vermutlich auch die Kicker in den modischen Trikots. Allerdings sind heute andere Signale für sie wichtig. Zum Beispiel die Rückennummern. Günter Grothkopp, Trainer des Hamburger Fußball-Verbandes, erzählt: "Da hab’ ich zum Beispiel einen sensiblen Spieler, der in seinem Verein die Nummer 10 hat. Sein Klubtrainer hat mir dringend geraten, ihn auch in der Hamburg-Auswahl mit dieser Nummer auftreten zu lassen, gleichgültig auf welchem Posten er spielt. Er wäre sonst nur halb so stark."