Die Lufthansa will angesichts des gigantischen Konkurrenzkampfes, der sich über dem Nordatlantik zusammenbraut, ihre liebste Klientel, die Vielflieger, besonders umsorgen. Wie das in der Praxis aussieht, kann man derzeit am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen erleben.

Dort lenkt der müde Vielflieger seine Schritte der gelben Leuchttafel entgegen, die ihn zur "Lufthansa Vielflieger-Lounge" lockt. Hinter dem Schild heißt es anstehen: "Grenzpolizeikontrolle". Während vor ihm eine indische Großfamilie schleppend abgefertigt wird, bedenkt der wartende Kunde wieder einmal die Weitsicht der LH-Manager, die auf dem größten Flughafen keinen anderen Platz für ihre gastliche Stätte fanden als hinter einer Zollgrenze.

Hinter der schließlich überwundenen Barriere leuchtet ein weiteres einladendes Schild für "Frequent Travellers" über einer Treppe, oben wartet die Lounge. Meistens zumindest. Jetzt aber nicht. Ein Schild verkündet lapidar, die Lounge werde umgebaut, sei also verschlossen. Basta. Kein Hinweis, wie lange, kein Rat für eine Ausweichecke mit einem Täßchen Kaffee.

Ein anderer Vielflieger rät den Ratlosen: "Mir hat die Dame am Eincheckschalter gesagt, während der Umbauphase könnten die FTs in der First-Class-Lounge einen Kaffee trinken." Also zurück, treppab, zehn Minuten vor der Ausweiskontrolle, hinüber zur Senator-Lounge. Dort wird der schlichte Vielflieger wie ein Aussätziger beäugt. "Nein, mit der FT-Karte kommen Sie hier nicht rein. Vorstandsbeschluß, Sie wissen..."

Während der aus dem Aviatiker-Paradies Vertriebene darüber nachsinnt, womit sich so ein Lufthansa-Vorstand beschäftigt, sucht er sich ein Sitzplätzchen auf dem wieder mal knuddelvollen Flughafen. Zur Lektüre zückt er das Branchenblatt Touristik Report. Da liest er: "Die LH-Strategen beabsichtigen schon im Frühjahr nächsten Jahres, ihren Vielfliegern einen Treuerabatt einzuräumen."

Manchmal braucht man wirklich einen Anreiz zur Treue. Selbst bei einer guten Fluglinie. K. V.