Dieser überaus gelungene Neologismus, den Norbert Wiener ("Cybernetics", New York 1948) aus dem griechischen Wort kybernetes ("Steuermann") prägte, sollte nach Wiener "den gesamten Bereich der Theorie der Regelung und der Informationsübertragung in der Maschine wie beim Tier" bezeichnen. Bei der Einführung des Begriffs wies Wiener ausdrücklich auf eine Abhandlung von James Clark Maxwell hin, die 1868 in den "Proceedings of the Royal Society of London" erschienen war. Maxwell, der dort über Regler schrieb, lieferte eine elementare mathematische Darstellung der positiven und negativen Rückkoppelung und machte auf die inhärente Instabilität der ersteren aufmerksam.

In der Regeltechnik spielt die Rückkoppelung (feedback) eine besonders wichtige Rolle, denn sie regelt einen Vorgang durch dessen Folgen. In der Biologie universell verbreitet, wird die Rückkoppelung als negativ bezeichnet, wenn die Rückwirkung des Ergebnisses auf den Vorgang diesen vermindert. Ein einschlägiges Beispiel liefert die Senkung der Körpertemperatur durch das Schwitzen, das auf eine Erhöhung der Körpertemperatur folgt. Eine positive Rückkoppelung liegt dagegen bei bestimmten "autoimmunen" oder immunologisch selbstzerstörerischen Krankheiten vor, zu deren ersten Auswirkungen es gehört, aufs neue gerade jene Bedingungen zu erzeugen und damit zu verstärken, die zu der Krankheit geführt hatten. Eine Verletzung der Schilddrüse, die eine Autoimmun-Thyroiditis (genauer: Antikörper, die gegen die Schilddrüse wirksam werden) entstehen läßt, führt zur Bildung von Antikörpern, die der Schilddrüse weiteren Schaden zufügen und dadurch die Krankheit verschlimmern.

Um das Prinzip der positiven Rückkoppelung zu erläutern, kann man auf ein vertrautes Beispiel aus dem Alltag zurückgreifen: Auf einer lärmenden Party müssen die Leute immer lauter reden, wenn sie verstanden werden wollen. Das erhöht die bestehende Lautstärke und macht ein Verstehen noch schwieriger, so daß alle noch lauter reden. Positive Rückkoppelung schafft eine wesentlich instabile Situation und führt in extremen Fällen zu heftigen Schwankungen oder sogar zum Zusammenbruch des Systems.

Es ist unmöglich, alle Situationen anzuführen, in denen die Rückkoppelung zur Regelung der Körperaktivität benutzt wird – die Rückkoppelung ist nämlich allgegenwärtig. Um nur ein Beispiel zu nennen: Im endokrinen System stimulieren die sogenannten glandotropen Hormone, die von der Hypophyse erzeugt werden, die Ausschüttung der Hormone, die von der Schilddrüse, der Nebennierenrinde und den Fortpflanzungsorganen produziert werden. Die Bildung dieser glandotropen Hormone wird durch jene Hormone, deren Ausschüttung sie stimulieren, unterbrochen, so daß der Output eines Hormons durch das Hormon selbst innerhalb physiologischer Grenzwerte gehalten wird.

Wie in der Informationstheorie wurden Terminologie und Begriffe der Kybernetik rasch von den Biologen aufgegriffen und sind sozusagen in ihre Sprache eingegangen, ein sicheres Anzeichen dafür, daß sie benötigt wurden.

Aus dem philosophischen Lexikon der Biologie "Aristotle to Zoos" von Peter B. Medawar und Jean S. Medawar.