Warum unser Planet einen Mond hat, darüber streiten sich die Gelehrten noch immer. Dabei hatte es doch in den sechziger Jahren, als die Vorbereitungen für das Dollarmilliarden-Unternehmen "Apollo" liefen, geheißen, wenn erst einmal Menschen auf dem Erdtrabanten gelandet wären, würden wir "ein unverfälschtes Geschichtsbuch des Sonnensystems aufschlagen". Steine von der unberührten Mondoberfläche, Meßergebnisse von Temperaturen, Sonnenwind und seismischen Erschütterungen sollten uns lehren, wie Sonne, Mond und Erde entstanden seien.

Es war nicht so, und darum ist der Mechanismus, dem der Mond seine Existenz verdankt, nach wie vor Gegenstand von Spekulationen. Die neueste kommt aus Bloomington im US-Staat Indiana. Vor einigen Milliarden Jahren, so erklärt Richard Durisen, Astronom an der Indiana University, könnte die Erde von einem Thorus aus festen und flüssigen Erdbestandteilen umgeben gewesen sein. Diese seien von dem damals noch von geschmolzenem Gestein bedeckten, zehnmal so schnell wie heute rotierenden Planeten abgeschleudert worden und hätten sich zu der autoreifenförmigen Gestalt zusammengezogen.

Durisen kam auf diese Idee, als er an einem Computermodell die klassische, von Charles Darwins Sohn George erdachte Theorie der Mondentstehung simulieren wollte. Darwin glaubte, ein gewaltiger Klumpen flüssigen Materials sei von der Erde abgerissen und habe bei seiner Abkühlung die Kugelgestalt angenommen. Das Computerspiel jedoch sah auf dem Bildschirm ganz anders aus. Zunächst bildete sich eine an eine Galaxie erinnernde Spirale, die sich allmählich in die von einem Thorus umringte Kugel verformte. Der Ring schließlich degenerierte zu einer kleinen Kugel – dem Mond. Ob es so gewesen ist? "Zumindest läßt es sich nicht ausschließen", meint Professor Durisen. K. W.