Hamburger Kultur, eine Kulturgruppe der jüngeren Altsteinzeit, die am Nordrand von Hamburg zuerst nachgewiesen wurde. Sie bildet die Hinterlassenschaft von eiszeitl. Renntierjägern, die im Endmoränengebiet von Ahrensburg ihre Sommerlager errichteten (–Ahrensburger Kultur). Systemat. Ausgrabungen erschlossen reichhaltige Kulturschichten und führten erstmals zur Entdeckung von Überresten altsteinzeitl. Zeltanlagen. Neben bestimmten Feuersteingeräten (Kerbspitzen, Zinken) sind aus Rengeweih gefertigte Geräte (Harpunenspitzen, Riemenschneider mit Feuersteinklingen) kennzeichnend für die H. K., deren Verbreitungsgebiet sich auch über Niedersachsen, die Niederlande und Nord-Frankreich erstreckte. Um 10000 v. Chr. wurde die H. K. von Federmesser-Gruppen des Epi-Magdalenien abgelöst.

Aus: Brockhaus Enzyklopädie, F. A. Brockhaus Verlag, Wiesbaden 1969, Achter Band

Sammy Drechsel

Diesen Quadratschädel mit den Lachfalten, seinem straffen Spöttermund und den angekletschten Boxerhaaren – dieses Urbild des Berliner Kodderschnauzreporters, der immer aussah, als wolle er gleich "Extrablatt!" rufen, den hat nun auch der verdammte Krebs eingeholt: Sammy Drechsel, gerade sechzig Jahre alt, kannte keine Bremsen, und bettlägrig noch nach einem Herzinfarkt verwirrte er besorgt flüsternde Besucher mit Sturzfluten neuer Pläne, besonders für seinen "Laden", wie er die "Münchner Lach- und Schießgesellschaft" nannte. Die hatte er vor dreißig Jahren mit Dieter Hildebrandt und anderen gegründet, sie radio- und fernsehfähig und also zum beliebtesten Kabarett der Republik gemacht, hatte wie ein Ochse gegen sich mehrende Zensurauflagen gekämpft und, als die Mannschaft dann zerfiel nach zwei Jahrzehnten, dafür geackert, daß es ein Nachfolge-Team gebe: Die "neue Lach- und Schieß", was ihm so halbwegs auch gelungen ist. Er brauchte die überfüllte Stickstoff-Atmosphäre seiner Brettl-Bude – den Sauerstoff holte er sich zwischendurch bei Regiearbeiten zu den "Notizen aus der Provinz", danach beim "Scheibenwischer" und, keinesfalls zu vergessen, auf dem Fußballplatz beim "FC Schmiere", den er gegründet und engagiert in Sieg und Niederlage geballert hatte mit Kickern wie Hildebrandt, Wolfgang Neuss, Werner Schneyder und was sonst noch Rang und Fußballbeine hatte. Denn eigentlich war Sammy Drechseis Standbein der Sport. Er hatte für den Rundfunk in Berlin von Autorennen auf der Avus, von Fußball, Eishockey und Boxen berichtet mit einer knatternd gepeitschten Stimme, die keine Schnaufpause ließ. In den fünfziger Jahren schrieb er den Fußballer-Roman "Elf Freunde müßt ihr sein" (der in keiner Schulbücherei fehlte), und manchmal spielte er den Sensationsreporter, kletterte auf die Spitze der geborstenen Gedächtniskirche, um schwindelhoch besser vom Gewusel drunten reponieren zu können, legte sich zwischen die Schienen und ließ sich, quasselnd und brüllend, von Zügen überrollen, war beim Bomben Entschärfen mit dem Mikrophon dabei und machte Wind und Dampf und Druck und gute Laune. Und ganz im Stillen, später dann, schickte er mit Regelmäßigkeit einem untergegangenen Kabarettkollegen Geld zum Leben.

Mit ADN im Theater

Berlin (ADN). "Medea" von Euripides und "Stella" von Goethe hatten am Sonnabend im Deutschen Theater Berlin Premiere. Regisseur Alexander Lang beleuchtet mit dieser Inszenierung Grenzsituationen zwischenmenschlicher und partnerschaftlicher Beziehungen vor historischem Hintergrund. Beabsichtigt ist, dieses Projekt unter dem Titel "Trilogie der Leidenschaft" mit Strindbergs "Ein Totentanz" zu vervollständigen. Die Aufführung beider Stücke wurde von ausgezeichneten schauspielerischen Darstellungen bestimmt. Als Medea überzeugte Katja Paryla. In weiteren Rollen waren Christian Grashof (Erzieher), Dieter Montag (Jason), Alexander Lang (Aegeus) und Maximilian Löser (Kreon) zu sehen. Auf spielerisch-heitere Akzente setzte die "Stella"-Inszenierung, in der Margit Bendokat die Titelrolle spielte.

Goethe zum Sitzen

Welcher Goethe wird gewinnen? Sechsundzwanzig Bände bei Hanser gegen vierzig bei Suhrkamp – jetzt, man zittert um beide Ausgaben, steigt auch noch ein Berliner Verlag in den Ring: "Jedes Werk Goethes, ob Roman, Gedicht, Edikt oder Ergebenheitsadresse wird einzeln gedruckt. Diese losen Blätter werden zusammen in einem einzigen Ledereinband abgegeben. Die Ausgabe wird in Form eines stabilen, aber dennoch schlichten Sitzkissens erscheinen, mit dezentem Hinweis auf den Inhalt. Unauffällig, z. B. im Wartezimmer, plaziert leistet die Ausgabe nützliche Dienste, ein diskret angebrachter Reißverschluß ermöglicht jederzeit bequemen Zugang zu dem Gesamtwerk." Die Berliner Bequeme Ausgabe wird zu haben sein beim Transit Verlag, Gneisenaustr. 2, 1 Berlin 61.