Von Erika Martens

Normalerweise führen „die Schwarzen“ in den deutschen Gewerkschaften ein Schattendasein. Zwar halten sich die meisten Organisationen im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ein Unionsmitglied im Vorstand, doch viele von ihnen müssen sich dort mit der Alibirolle abfinden, die sonst den Frauen in Spitzenpositionen vorbehalten ist.

Bei Gustav Fehrenbach, dem stellvertretenden DGB-Vorsitzenden, ist das ganz anders. „Der Gustl“, urteilt Parteifreund Hanshorst Viehof, bis vor wenigen Jahren im Vorstand der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen, „der Gustl ist der profilierteste Schwarze, den es im DGB je gab.“ Die CDU freilich ist darüber alles andere als glücklich. Denn Gustav Fehrenbach, fürchten Unionspolitiker, profiliert sich auf ihre Kosten. Die Furcht ist nicht ganz unbegründet, denn der Christdemokrat scheut sich nicht, seine Partei, wenn er es für nötig hält, scharf zu attackieren.

Vor allem in der Auseinandersetzung um die Neutralität der Bundesanstalt für Arbeit im Streik hat er die Regierungsparteien nicht geschont. Unionspolitiker nehmen ihm seine Warnung, die gesetzliche Änderung des sogenannten Streikparagraphen 116 würde einen „Dauerkrieg zwischen Regierung und Gewerkschaften auslösen“, ebenso übel wie die Formulierung, es bestehe die große Gefahr, daß Bundesarbeitsminister Norbert Blüm und die Arbeitnehmergruppe der Union „zu Totengräbern der CDU-Arbeitnehmer in den Betrieben werden“.

Für Christian Lenzer, Mitglied der CDU/CSU-Fraktion, waren solche Äußerungen Tropfen, die das Faß zum Überlaufen brachten. „Mit mir sind zahlreiche CDU-Politiker der Meinung, daß Fehrenbach die Partei verlassen sollte“, gab er der Bild-Zeitung zu Protokoll. Der DGB-Vize müsse sein Parteibuch schleunigst zurückgeben, sonst „werden wir ihn durch ein Parteiordnungsverfahren aus der CDU hinauswerfen“.

Auch der FDP-Politiker Manfred Brunner empfahl dem großen Koalitionspartner, „sich von Sozialisten in den eigenen Reihen“ zu trennen, nachdem Fehrenbach der FDP Steinzeitliberalismus vorgeworfen hatte. Und ihr Generalsekretär Helmut Haussmann will den Fall Fehrenbach gar zum Thema von Koalitionsgesprächen machen. Es sei Sache der CDU, meint Haussmann, „solchen Heckenschützen das Handwerk zu legen“.

Gustav Fehrenbach nimmt die öffentliche Aufregung um seine Person gelassen zur Kenntnis. „Ich bin in erster Linie Gewerkschafter“, hält er seinen Kritikern entgegen, „und ich sehe meine Aufgabe ganz einfach darin, als Gewerkschafter in die CDU hineinzuwirken, sie zu einer arbeitnehmerfreundlichen Politik zu bringen.“ Eine solche Haltung sei nicht geeignet, in der Partei große Popularität zu erreichen. Doch daran liegt dem 61jährigen früheren Postbeamten ohnehin nichts.