ARD, Sonntag, 2. Februar, 10.00 Uhr: französische Maler des 19. Jahrhunderts – Géricault“ von Leslie Megahey

Im Saal der Franzosen, natürlich einer der Prachträume des Louvre, ist Theodore Géricaults „Fluß der Medusa“ nicht nur vom Umfang her (491×716 cm) ein monumentales Werk. Neben Delacroix’ Revolutionsbild „Die Freiheit führt das Volk an“ ist diese realistisch geschilderte und romantisch empfundene Darstellung einer Schiffskatastrophe dasjenige Bild, das die Betrachter auch heute noch jenseits der historischen Situation betroffen macht und zu begreifen ist.

Schon die Entstehung des Bildes war ungewöhnlich. Zu einer Zeit, da noch die klassizistische Attitüde des napoleonischen Hofmalers David galt, ließ Géricault sich von einem wahren Vorfall inspirieren, der ihn tief erschüttert hatte: der Untergang dreier französischer Segelschiffe, bei dem 1816 von 365 Leuten nur 15 gerettet wurden. Géricault befragte die Überlebenden, die auf dem Floß die Kämpfe und Todeskämpfe erlebt hatten; er ließ sich Modelle des Schiffes bauen; er ging in die Krankenhäuser und Leichenhäuser, schloß sich sieben Monate mit Todeskanditaten und Leichen ein, um Berge von Skizzen anzufertigen. Als er dann 1819 das fertige Bild der Öffentlichkeit vorstellte, fand diese es „zu groß, zu dunkel, zu deprimierend.

Géricault, der neben Goya und vor Münch die Schrecken des Menschseins in der Kunst aufdeckte, ist ein lohnendes Thema für einen Fernsehfilm: Die kraftvollen Studien sind ebenso ergiebig wie die Werkgeschichte und die Biographie des Künstlers, der mit nur 33 Jahren starb. Manchmal allerdings wäre, wie so oft im Fernsehen, weniger mehr, könnte man auf reale Pferde und imaginierte Liebesakte im kunsthistorischen Zusammenhang verzichten. Daß man mit Géricault einen auch heute noch unterschätzten Künstler ausführlich vorstellt, bleibt dennoch ein Verdienst. Und daß Wibke von Bonin, die Kunstredakteurin des WDR, Filme wie diesen hier von Leslie Megahey ebenso verantwortet wie die Serie der „1000 Meisterwerke“ (die „100“ waren so erfolgreich, daß noch eine Null angehängt wurde) jetzt die „Goldene Kamera“ der Hörzu bekommt, ist ein mittleres, ein verdientes Wunder, ist eine Ermutigung für die in den Sendern immer mehr an die Wand gedrückte Kultur. Petra Kipphoff