Die amerikanische Raumfahrt ist am Dienstag von ihrer schwersten Katastrophe getroffen worden. Kurz nach dem Start explodierte die Fähre „Challenger“ mit sieben Astronauten an Bord.

Das Space Shuttle hatte um 17.38 Uhr mitteleuropäischer Zeit (11.38 Uhr Ortszeit) von der neuen, zweiten Startrampe in Cape Canaveral/Florida abgehoben. Der Start wurde wie üblich von tausenden Besuchern beobachtet und von einer Fernsehkette übertragen. Anfangs verlief alles wie vorgesehen; die Raketen arbeiteten einwandfrei. Nach ungefähr 70 Sekunden befand sich die Raumfähre in einer Höhe von 16 Kilometern, etwa 13 Kilometer von der Küste entfernt.

Wenige Sekunden nach der Angabe „Volle Kraft“, die vom Kommandanten Francis Scobee noch bestätigt wurde, ereignete sich die Explosion, etwa 90 Sekunden nach dem Abheben. Ein Feuerball zerriß das Fahrzeug, dessen Teile ins Meer stürzten. Für die Astronauten gab es keine Überlebenschance.

An Bord befanden sich fünf Männer und zwei Frauen: Kommandant Scobee (46), Pilot Michael Smith (40), die Spezialistin für die Flugprogramme Judith Resnik (36), ihre Kollegen Ronald McNair (35) und Allison Onizuka (39), der Nutzlastexperte Gregory Jarvis (41) und – als erste Nicht-Technikerin oder -Pilotin – die 37jährige Christa McAucliffe, die aus über 11 000 Bewerbern ausgesucht worden war. Die Lehrerin für Geschichte und Englisch aus Conard/New Hampshire hinterläßt zwei Kinder, die – wie ihr Mann und ihre Eltern – Augenzeugen der Katastrophe wurden.

Über die Ursache des Unglücks fehlen bislang verläßliche Aussagen; die Fernsehbilder zeigen, daß aus bisher unbekannten Gründen der Haupttank unter dem „Bauch“ der Fähre explodiert ist. Das Space Shuttle, gebaut, wie ein plumpes Flugzeug mit kurzen Flügeln, auf denen es bei der Landung zur Erde gleitet, besitzt am Heck die drei Haupt-Raketen-Triebwerke. Die Riesenmenge Treibstoff, etwa zwei Millionen Liter Flüssig-Sauerstoff und -Wasserstoff, wird aber in einem zigarrenförmigen Tank außerhalb der Fähre mitgeführt, der sich nach knapp neun Minuten in 118 Kilometer Höhe ablöst und beim Rücksturz auf die Erde zerstört wird.

Für das Abheben ist aber noch mehr Schub erforderlich, den zwei Feststoff-Raketen liefern, die seitlich an dem Tank befestigt sind. Sobald sie ausgebrannt sind, werden sie abgestoßen (normalerweise nach 125 Sekunden); dies Manöver hat Risiken. Die stählernen Behälter kommen an Fallschirmen zurück und werden aufgefischt, um wieder mit Festbrennstoff gefüllt zu werden. Am Dienstag arbeiteten beide Booster noch, nachdem die Explosion sie abgesprengt hatte; unmittelbar vor dem Unglück war einer von Funken umtanzt.

„Challenger“ ist eine von vier Raunfähren (neben „Columbia“, „Discovery“ und „Atlantis“). Schon zweimal hatte sie unliebsame Schlagzeilen gemacht; 1982, als Risse in den Triebwerken entdeckt wurden, und im Juli 1985, als nach 5 Minuten und 45 Sekunden ein Haupttriebwerk ausfiel und sie – ebenfalls mit sieben Mann Besatzung – nur knapp die Umlaufbahn erreichte. Auch ihr zehnter Flug, der insgesamt 25. Start eines Space Shuttles, begann um fast eine Woche verspätet: wegen technischer Pannen oder Schlechtwetter. Ein Defekt in einem Feuermeldesystem löste die letzte Verschiebung aus.