So drastische Kurseinbrüche wie in der vergangenen Woche hatten die deutschen Börsianer schon lange nicht mehr erlebt. Die vier „schwarzen Tage“ bis zum Donnerstag zeigten einmal mehr, daß die deutsche Aktienbörse „heißer“ geworden ist, empfindlicher auf Nachrichten und Stimmungen reagiert, die noch vor wenigen Monaten kaum registriert worden wären.

Für den frischen Wind, der sich in der abgelaufenen Woche zeitweise zur Kaltfront entwickelte, haben vor allem die Verwalter der Fonds und Pensionskassen in London gesorgt. Während ihre Kollegen bei einheimischen Banken, Investmentfonds und Versicherungen stets ängstlich darauf bedacht sind, nur ja den Kurs nicht zu stark nach oben zu treiben, kaufen die Ausländer ausgesprochen aggressiv, wenn sie ein Papier für gut befunden haben.

Konnten sich die Börsianer in den letzten Monaten verstärkt an der angenehmen Seite dieser Kaufwut erfreuen, bekamen sie in der vergangenen Woche einen Warnschuß vor den Bug. Das ganze Spiel kann, so mußten gerade auch die Profis schmerzlich erfahren, auch einmal in die entgegengesetzte Richtung laufen. Genauso klotzig wie vorher gekauft wurde, verkaufen die Ausländer, wenn sie das für richtig halten.

Letzte Woche taten sie das gleich vier Tage lang. Die Folge: Einen so raschen Kursrutsch haben die Händler auf dem Parkett selten erlebt. So fiel zum Beispiel der Börsenstar Nummer eins, die Aktie der Deutschen Bank, innerhalb dieser tristen vier Tage auf zeitweise nur noch 810 Mark. Noch knapp eine Woche zuvor hat man sich gegenseitig das Papier zu Kursen von zwischenzeitlich über 950 Mark aus den Händen gerissen.

„Die waten hier in Lachen von Blut“, beschrieb ein Händler das Schlachtfest der Kurse und meinte damit seine Kollegen Berufshändler, die voll auf dem falschen Fuß erwischt wurden, die in der Hoffnung auf weiter steigende Kurse hohe Aktienbestände aufgebaut hatten.

Dabei hatte es eine Woche zuvor noch gut ausgesehen. Sogar der kleine Mann, der wie immer erst kurz vor dem Höhepunkt von den „sicheren Kurschancen“ Wind bekommt, stieg ein. Die Makler machten Überstunden, um die Flut von kleinen und kleinsten Orders bewältigen zu können. Auch die Profis auf dem Parkett kauften, sie hofften auf überraschende Beschlüsse beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs in London.

Als daraus nichts wurde, schlug die Stimmung jäh um, wollten alle wieder durch dieselbe Tür, diesmal jedoch in die umgekehrte Richtung. Nun kamen die Mini-Orders zurück, diesmal aus Verkäufe. Einige Ausländer schlossen sich dem Verkaufsprogramm an, und der Berufshandel mußte mächtig Federn lassen.