Von Thomas von Randow

Eine Anzahl ungewöhnlich dünner Ringe umgibt Uranus, den drittgrößten Planeten des Sonnensystems. Das war längst bekannt. Doch die zehn sind nicht kohlschwarz, wie sie von der Erde aus erscheinen, sie schillern in verschiedenen Farben. Das ist überraschend, denn die Erklärung ihrer Schwärze hatte so plausibel geklungen – Methan, das es dort in großer Fülle gibt, sollte sie verursacht haben. Nun sind die Ringe bunt. Farben sind immer aufschlußreich für Forscher, die studieren, wie direkt nicht zugängliches Material chemisch zusammengesetzt ist.

Uranus hat ein Magnetfeld, was bislang nur vermutet werden konnte; aber seine beachtliche Stärke hat niemand vorzufinden geglaubt. Sie ist ein wahres Geschenk des Himmels. Denn ein kräftiges Magnetfeld hat die Existenz einer Magnetosphäre wie die Erde zur Folge. Sie steuert den von der Sonde herrührenden Partikelstrom, den Sonnenwind, der in seinem Innern geladene Teilchen mitführt. In Wechselwirkung mit der Uranus-Atmosphäre erzeugen diese Partikel eine Radiostrahlung, deren Intensität mit der Rotation des Planeten variiert. Darum läßt sich von den Schwankungen dieser Strahlung ablesen; mit welcher Geschwindigkeit sich der Planet um seine. Achse dreht.

Umrundet wird der den äußeren Wandelsternen des Sonnensystems zugerechnete Planet von 15 Monden, nicht nur den fünf bislang bekannten Trabanten Titania, Oberon, Ariel, Umbriel und Miranda. Einige sind von großen Kratern zerklüftet.

Das sind die ersten Nachrichten, die das vor fast achteinhalb Jahren in Richtung Jupiter gestartete Erkundungsgerät Voyager 2 der US-Weltraumbehörde Nasa aus drei Milliarden Kilometern Entfernung zur Erde geschickt hat, während es an Uranus vorbeiflog.

"In wenigen Stunden", so ließ sich Frank Bristow vom Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena vernehmen, "hat die Welt mehr über Uranus erfahren als in den zwei Jahrhunderten, die seit seiner Entdeckung (durch den deutschen Musiker Wilhelm Herschel) verstrichen sind". Bristow hatte diesen Satz schon lange vor dem Ereignis der Presse mitgeteilt; nun war er sichtlich froh darüber, daß sich seine Prophezeiung erfüllt hatte. Übrigens hat Uranus, seitdem ihn der Amateurastronom Herschel 1781 zum erstenmal am Himmel ausmachte, nicht mehr als zwei Sonnenumläufe vollendet.

Was sich aus den noch nicht beendeten Mittellungen der zuverlässigen Maschine über den Planeten zusammenreimen läßt, ob sie nur Uranus selbst betreffen und darum allenfalls Astronomen in Erregung versetzen, oder aber uns neue Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Sonnensystems gewähren, kann erst ein langes Studium der Datenfülle ergeben, die Voyager 2 im 700-Stunden-Programm während seines Uranus-Vorbeiflugs gesendet haben wird. Aufschluß könnten die rekonstruierten Photos zum Beispiel darüber geben, ob der Planet vor langer Zeit einmal mit einem Himmelskörper, so groß oder gar doppelt so groß wie die Erde, zusammengeprallt ist. Aus Trümmern dieser Kollision mögen die Ringe und aus ihnen wiederum einige der Monde entstanden sein. Erklären könnte ein solches Ereignis auch die im Sonnensystem einzigartige Position der Rotationsachse des Uranus, parallel zu seiner Umlaufbahnebene.