Maschinenbauer MAN hat sich bei der Modernisierung von Bühnenanlagen übernommen

Otto Voisard bleibt nichts erspart. Kaum sind die negativen Schlagzeilen über sein Unternehmen wieder aus den Wirtschaftsspalten der Zeitungen verschwunden, da muß der Vorstandsvorsitzende der MAN Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg im Kulturteil massiv Kritisches lesen. Im Münchner Nationaltheater gibt es nun eine "MAN-Affäre" und die Rede ist von "skandalösen Zuständen".

Die Gesellschaft hat sich mit der Modernisierung einer Maschinenanlage in der Bayerischen Staatsoper übernommen. Den Starkritiker der Süddeutschen Zeitung, Joachim Kaiser, erfüllte dies mit heiligem Zorn: Die MAN-Ingenieure hätten "ihr berühmtes Haus vor aller Welt blamiert", schrieb er.

Voisard verhehlt nicht, wie es um seinen Gemütszustand steht: "Was glauben Sie, wie ich mich über die Geschichte ärgere" – ausgerechnet kurz vor der Hauptversammlung am 7. Februar, in der nach zwei tristen Verlustjahren der Aufstieg aus dem "Tal der Tränen" und die erste Dividende gefeiert werden sollte.

Dabei handelt es sich rein finanziell gesehen um eine Bagatelle verglichen mit der Serie von Fehlschlagen, die das früher so erfolgreiche Unternehmen in den zurückliegenden beiden Jahren erlitten hat – Betriebsverluste von nicht weniger als 550 Millionen Mark kamen zusammen. Aber dem Image ist sie genauso abträglich. Für gerade 3,5 Millionen Mark hatte MAN den Staatsoper-Auftrag zur Sanierung der 22 Jahre alten sogenannten Untermaschinerie erhalten, also der Bühnenwagen und Hubpodien, die für die große festliche Oper unerläßlich sind.

An sich wäre, da auch die verschärften Sicherheitsauflagen berücksichtigt und eine moderne elektronische Steuerung eingebaut werden sollen, eine ganz neue Anlage das Beste gewesen. Aber sie zu spendieren konnte sich der bayerische Staat nicht entschließen. Sie hätte, so Direktor Theo Schmidt vom Landbauamt München, ein "Vielfaches" der Reparatursumme gekostet.

Die Modernisierung sollte in den beiden Spielzeitpausen – jeweils im Sommer 1984 und 1985 – über die Bühne gehen. Doch 1984 schafften es die Techniker der Firma gerade, die eisernen Schallschutzvorhänge zur Seiten- und zur Hinterbühne hin zu renovieren – und die gingen in der folgenden Spielzeit schon wieder "kaputt", klagt der technische Direktor des Nationaltheaters, Helmut Großer.