Another Time, Another Place“, erzählt von Wehmut und Resignation, von einer schottischen Bauernfrau, die gegen alle Vernunft ihren Gefühlen folgt

„Another Time, Another Place“ von Michael Radford, 1982 gedreht, zwei Jahre, bevor der schottische Regisseur international mit dem Film „1984“ (nach George Orwell) reüssierte. In vielen Passagen feiert Radford die Schönheit der schottischen Landschaft; aber er bringt damit keine Weite in die Bilder, öffnet keinen Raum für Mögliches, keinen Raum für Abenteuer. Er formuliert Stimmungen, die im inneren Zustand seine Helden widerspiegeln. Jahreszeiten variieren diese Stimmungen; noch zur Erntezeit droht über den gold-gelben Getreidefeldern der dunkle Himmel. Radford zeichnet ein melancholisches Bild seiner Heimat, die ihren Menschen eine Gegenwart bietet, die keinerlei Zukunft hat.

In seinem Film „1984“ formulierte Radford – in stilgerechter Mentalität – die beängstigende Mission einer extrem formierten Gesellschaft. „Another Time, Another Place“ dagegen gab er einen novellistischen Charakter; der Film stellt „einen kleineren Vorfall ins hellste Licht, der, so leicht er sich ereignet, doch wunderbar, vielleicht einzig ist“ (Ludwig Tieck).

Im Mittelpunkt: das karge Leben einer Bauernfrau im äußersten Nordosten Schottlands, 1944. Ihrem mürrischen Ehemann, der unentwegt schuftet und auf jeden Pence achtet, fühlt sie sich längst entfremdet. Sie ist in sich gekehrt, einsam, traurig. Aber sie hat noch Sehnsüchte. Anfangs sieht man sie am Meer stehen. Sie schaut in die Ferne, als träume sie von einer anderen Welt. Später, in der Dialogszene, stellt Radford überdeutlich klar, was in dieser Frau noch vorgeht. Sie und der Mann zählen gerade den letzten Verdienst nach. Dabei überlegen sie, was sie mit dem Geld anfangen könnten. Er denkt an Praktisches, an neue Vorhänge fürs Wohnzimmer oder an Ausbesserungen am Stall. Sie denkt an Fahrräder, was er entrüstet ablehnt; schließlich fahre doch der Kaufmannswagen einmal in der Woche in die Stadt. Ihre Antwort: Es gäbe aber auch noch eine andere Zeit, einen anderen Ort.

Ihr trostloses Leben hellt sich etwas, auf, als eines Tages drei italienische Kriegsgefangene eintreffen, die für die Feldarbeit abkommandiert sind: Der junge, scheue Tischler aus Rom, der toskanische Lehrer, der für Alida Valli schwärmt, der Orangenverkäufer aus Neapel, der so gern singt. Zu ihnen fühlt die Frau sich nach und nach stärker hingezogen.

Radfords Film erzählt von Wehmut und Resignation. Und davon, wie eine Frau beides bekämpft, indem sie einfach ihren Gefühlen folgt – gegen alle Vernunft, gegen alle Regeln. Mit ruhigen, fast zu bedächtigen Bildern fängt Radford den Alltag dieser Frau ein. Er zeigt das Äußere, um ihr Inneres zu verdeutlichen: die farblosen, schummrigen Räume ihrer Wohnung; die spröden, steinigen Felder, und immer wieder ihr Gesicht, das zur Landschaft einer Seele wird. Jede Nuance ist bedeutsam; die Details machen die Enge ihres Alltags hinfällig, die enervierende Monotonie, die quälende Mühsal.

Manchmal bleibt Radford dabei allerdings allzu eng im Geschehen. Das gibt seinem Film etwas Fernsehhaftes: Man sieht nur noch, was in den Bildern gemeint ist; die Luft drumherum ist weg. Die Kamera beobachtet’dann Inszeniertes, statt Beobachtungen zu inszenieren.