Freiburg: „Michael Kramer“

Breitbeinig – in triumphierender Pose wie Gustave Eiffels Turm – steht Michael Kramers „2-Sterne-Skulptur“ im Raum. Sein „Eiffelturmbohrer“ im Foyer aber kippt das Pariser Wunder der Ingenieurbaukunst vom Sockel: Der verkleinerte Turm dient der langnasigen Gerüstfigur als Preßluftbohrer. Von der Eisenarchitektur und den Konstrukteuren einer neuen Kunst am Anfang dieses Jahrhunderts, namentlich von den russischen Konstruktivisten geht Kramer aus. In einem tieflotenden Zitat im Freiburger Katalog ist von einem „nichtrealisierten Erbe“ zu lesen, das stilbildende Epochen den später Kommenden übereignen. Kramer versteht das Erbe als eine Möglichkeit, sich gleichermaßen als Bewahrer und als ein munterer Verwerter der Tradition zu zeigen. Sein Verhältnis zu den künstlerischen Großvätern ist von spielerischer Art. In einer Arbeit, die er „Das Werk“ nennt, verdrängt das intelligente Spiel mit dem objet trouvé beinahe die konstruktivistische Erinnerung. Der Ausstellungsbesucher findet den Boden mit allerhand Zeug bedeckt, mit Seifenspendern und Elektronik-Zubehör, alles ohne einen sinnvollen Zusammenhang. Dabei schaut es aus wie ein gigantischer Industriekomplex en miniature: ein Abbild, das aber in Wirklichkeit gar keines ist. Und damit stellt sich die Frage: Was versteht man hier eigentlich noch, und was sagen noch die Bilder? Der Konstruktivismus, dieses Zukunftsprogramm der Vergangenheit, erscheint in Kramers Imbißbuden- und Kassenhäuschen-Projekten, in den Hockern, Tischen und Arbeiterdenkmälern: in einer burlesken Variante. Doch ist er mit seiner ursprünglich auf das Leben gerichteten Gestaltungsabsicht hier noch immer ernst genommen. (Kunstverein Freiburg bis 16. Februar, Katalog 10 DM)

Volker Bauermeister

Wichtige Ausstellungen

Berlin: „Kunst im Exil – Großbritannien 1933-1945“ (Orangerie im Schloß Charlottenburg bis 23. 2., Katalog 23 DM)

Düsseldorf: „Gerhard Richter – Bilder 1962-1985“ (Kunsthalle bis 16. 3., Katalog 48 DM)

Hannover: „Kurt Schwitten – Retrospektive“ (Sprengel Museum bis 20. 4., Katalog 40 DM)