Achtung! Eine Warnung an alle, die es angeht: Die Schau, die uns in den nächsten Wochen und Monaten geboten wird, ist jugendgefährdend! Hier geht es um Menschenwürde und Anstand. Für unverdorbene Gemüter ist diese Schau reines Gift. Nicht von ungefähr warnen namhafte Therapeuten vor den schweren seeliscnen Folgen, als handele es sich um Drogen oder Alkohol.

Was macht diese Schau – sie soll bis Februar 1987 laufen – selbst für Erwachsene mit gefestigtem Charakter so gefährlich? Nun, es steht uns eine Verwilderung unserer Sitten bevor. Wir werden in menschliche Abgründe blicken. Uns wird es nicht erspart bleiben, mit anzusehen, wie unbescholtene, brave Familienväter ihre gute Kinderstube vergessen. Es wird ihnen nichts ausmachen, andere Zeitgenossen, die ihnen persönlich nichts getan haben, zu verunglimpfen und zu verteufeln. Sonst nicht gerade mit Phantasie gesegnet, sind sie von großer Einfallskraft, wenn es darum geht, sich Beleidigungen und Schmähungen einfallen zu lassen. Keine Verleumdung, keine Unterstellung, keine Diffamierung ist ihnen zu schäbig, um andere in Verruf zu bringen. Dabei werden sie sich bevorzugt einer – im Familienkreis verpönten – Gossensprache bedienen.

Wen sie als ihren Feind ansehen, der wird nicht mit Schonung oder auch nur Gerechtigkeit rechnen dürfen. Ihm darf man nach Herzenslust die Ehre abschneiden.

Um sich selber ins rechte Licht zu rücken, wird in dieser Schau gelogen und betrogen, was das Zeug hält, das gehört nun einmal zum Spiel. Zum Spiel? Sagen wir lieber: zur Schlacht. Zur Schlammschlacht.

Dem geneigten Leser dürfte nicht entgangen sein, daß wir vom Wahlkampf 1987 sprechen, der seinen Schatten vorauswirft und verspricht, alles in den Schatten zu stellen, was wir bisher an Niedertracht gewöhnt waren. Dabei wäre es nicht fair, auf Geißler und Todenhöfer als abschreckende Beispiele zu verweisen. Es gibt viele kleine Geißlers und Todenhöfers.

Wie aber können wir uns von diesem geistigen Unrat bewahren? Dazu ein bescheidener Vorschlag: Um eine weitere – Demoralisierung unseres Gemeinwesens zu verhindern, sollten Wahlkämpfe – wenn es nicht anders geht, Wahlen überhaupt – abgeschafft, notfalls verboten werden. Schließlich geht es um die Rettung unserer jungen Demokratie!