Auch die letzten Rettungsbemühungen für die Schiffsbaufirma Rickmers scheiterten

Ein Ehering am Finger beruhigt derzeit so manchen Werftarbeiter in der Seestadt Bremerhaven: Auf der traditionsreichen Rickmers Werft hat nämlich die Jagd auf Junggesellen begonnen. Konkret: Im 152. Jahr seines Bestehens geht der Familienbetrieb seinem Ende entgegen. 850 Schiffsbauer und Angestellte verlieren ihren Arbeitsplatz, die Kündigungen werden nach sozialer Auswahl getroffen.

Jetzt, da es amtlich ist, seit vor einigen Tagen aus dem Vergleichsverfahren ein Anschlußkonkurs geworden ist, herrscht nur noch „getrübte Stimmung“ auf dem Werftgelände. „Die Tränen“, sagt der Betriebsrat Wilhelm Portig, „sind im vergangenen Jahr geflossen.“ An einem kalten Februartag 1985 erfuhr die Rickmers-Belegschaft, daß aus ihrem gesunden Unternehmen scheinbar über Nacht ein Pleitebetrieb geworden war.

Die Hausbank der Werft bat damals den Bremer Senat um einen Millionenkredit für den mit Aufträgen ausgelasteten Betrieb. Es fehlten immerhin sieben Millionen Mark für ein bereits im Dezember 1984 abgeliefertes Schiff, weitere zwölf Millionen wurden kurzfristig für ein wenige Wochen später abzulieferndes Schiff benötigt.

„Abenteuerlich“ nannten Werftexperten die späten SOS-Rufe des Rickmers-Vorstands. Schließlich war die drohende Gefahr seit Monaten bekannt; das als Ursache ausgemachte „Steuerbereinigungsgesetz 1985“ war seit Wochen in Kraft, nach dem die Abschreibungsmöglichkeiten für Schiffsinvestoren auf 150 Prozent der Einlagen begrenzt wurden. Das Geld von betuchten Anlegern floß schon seit längerer Zeit nur noch spärlich an die Küste. Doch trotz Kritik und Unkenrufen rangen sich damals ein Konsortium aus drei Banken und zwei Versicherungen sowie der Bremer Senat und der Bremerhavener Magistrat zu einer Bürgschaft über jeweils zehn Millionen Mark durch.

Zwei Drittel davon können sie jetzt abschreiben. Die Millionenhilfen haben das Sterben der ältesten bremischen Werft nur hinausgezögert: Im Oktober mußte das Unternehmen Vergleichsantrag stellen, im November wurden Massenentlassungen beim Arbeitsamt angemeldet.

Im Dezember aber wurde völlig überraschend wieder von „Rettung“ gemunkelt. Aus dem fernen New York versprach der Libanese Basem Zakariya Rettung. Er wolle, ließ der Finanzagent der Arab International Group vernehmen, den Konkurs der Rickmers Werft verhindern und obendrein lukrative Aufträge beibringen. Seine erste Order: Das Passagierschiff „Santa Rosa“, das immerhin schon 27 Jahre alt ist und seit sieben Jahren im amerikanischen Alabama am Pier liegt, sollte von den Bremerhavener Schiffsbauern wieder flottgemacht werden.