Viele krebserregende Substanzen verhalten sich wie trojanische Pferde. Sie dringen in einer inaktiven und scheinbar harmlosen Form in die Zellen des Körpers ein und werden durch den Stoffwechsel erst aktiviert. Zu diesen „trojanischen Pferden“, die Krebsforschern Sorgen machen, gehört zum Beispiel das Benzo(a)pyren: eine ringförmige, organische Verbindung, die bei unvollständigen Verbrennungen entsteht.

Beim Rauchen verbrennt der Tabak einer Zigarette bei etwa 800 Grad Celsius. Diese Temperatur reicht aus, um größere Mengen von Benzo(a)pyren zu bilden, das mit jedem Atemzug aufgenommen wird und sich in der Lunge verteilt. Benzo(a)pyren dringt allerdings nicht nur über die Atemluft in den Körper ein, sondern kann auch durch die Nahrung oder durch direkten Hautkontakt aufgenommen werden.

Im Körper treten nach der Aufnahme schwerwiegende Probleme auf. Benzo(a)pyren ist nicht wasserlöslich und kann von den Zellen nicht mehr direkt ausgeschieden werden. Die Zellen müssen deshalb in ihren Stoffwechselwegen umfangreiche Enzymsysteme aktivieren, um Benzo(a)pyren zuerst wasserlöslich zu machen und danach auszuscheiden. Dabei entstehen chemisch sehr aktive Zwischenprodukte, die mit zelleigenen Inhaltsstoffen reagieren können. Wird bei diesen Reaktionsabläufen der genetische Informationsspeicher im Zellkern, die Desoxyribonukleinsäure (DNS), angegriffen, dann kann Krebs entstehen.

Krebsforscher entdeckten in der Natur allerdings viele Substanzen, die eine Krebsentwicklung hemmen können. Meist treten sie in den Stoffwechselwegen der krebserregenden Stoffe als deren Konkurrenten auf oder verhindern eine Reaktion der krebserregenden Stoffe mit dem zelleigenen Informationsspeicher. Etliche Vitamine und das seltene Metall Selen können zum Beispiel im Experiment die Krebsentwicklung blockieren.

Zusätzlich können beim Einschleusen der krebserregenden Stoffe in den Zellstoffwechsel Engpässe entstehen. Dabei streiten sich unterschiedliche Substanzen um das jeweils gleiche Enzymsystem. Im Endergebnis findet in solch einem Fall überhaupt keine Verarbeitung statt. Krebserregende Stoffe sind sich häufig chemisch sehr ähnlich und müssen deshalb in der Zelle übereinstimmende Stoffwechselwege passieren. Zum großen Vorteil der Zelle kann dabei der Teufel dem Beelzebub im Wege stehen.

In verschimmelten Nahrungsmitteln werden durch bestimmte Pilze Aflatoxine gebildet. Sie gehören zu den stärksten bekannten Leberkarzinogenen. Einige wenige tausendstel Gramm Aflatoxin B, erzeugen in der Ratte mit praktisch absoluter Sicherheit Leberkrebs. In tropischen Gegenden, wo wegen der hohen Luftfeuchtigkeit auf Nahrungsmitteln rasch Schimmelpilze wuchern, erkranken Menschen durch Aflatoxine sehr häufig an Leberkrebs. Im Sudan waren zum Beispiel bei einer Studie 41 Prozent der untersuchten Erdnußproben durch Aflatoxine verunreinigt.

Aflatoxin läßt sich in seiner Wirkung bei der Ratte durch Arochlor aufheben. Als Wissenschaft-, ler die beiden Wirkstoffe in einer ansonsten mit Sicherheit Krebs erregenden Konzentration an Ratten verfütterten, blieben die Tiere gesund und erkrankten nicht an Krebs. Dabei ist Arochlor wahrlich ein Beelzebub – nämlich der Wirkstoff des Seveso-Giftes.