Die Bonner Grünen haben einen neuen Fraktionsvorstand gewählt. Er soll dafür sorgen, daß die Partei 1987 wieder ins Parlament gewählt wird. Hannegret Hoenes ist eine der Sprecherinnen.

ZEIT: Woran liegt es, daß die Bonner Fraktion der Grünen so wenig Interesse auf sich zieht?

Hoenes: Ich gebe zu, daß es auch mir häufig so geht, daß ich bei Demonstrationen, bei betrieblichen und kommunalen Aktionen immer weniger Grüne sehe. Das liegt natürlich auch daran, daß sehr viele, die früher an der Basis aktiv gearbeitet und unsere Arbeit im Parlament unterstützt haben, Mandate angenommen haben und in die Parlamente eingerückt sind.

Dagegen halte ich es für ein absolutes Geschwätz, daß die anderen Parteien grüne Themen und Forderungen übernommen haben sollen. Wir müssen zwar feststellen, daß es ihnen beängstigend erfolgreich gelungen ist, interessante Themen wie Frieden und Ökologie totzuschwätzen. Aber das hat nur dazu geführt, daß die Menschen immer weiter abstumpfen. Während etwa Buschhaus noch Wirbel machte, ist Ibbenbüren, ein ebenso großer Umweltverschmutzer, kaum noch eine Schlagzeile wert gewesen. Und nachdem 1984 noch das Dioxin-Gift die Leute in Angst und Schrecken versetzt hatte, ist es nahezu verständlich, daß 1985 Glykol und Salmonellen beinahe mit Erleichterung als Gifte des Jahres aufgedeckt wurden.

ZEIT: Ein Vorwurf gegen die Bonner Fraktion lautet, sie verhalte sich wie Ministerialräte: Verbissen im Detail, ohne wichtige politische Initiative und Phantasie.

Hoenes: Ich habe immer geglaubt, es gibt fleißigere Leute als Ministerialbeamte. Ob die verbissen sind, weiß ich nicht. Wir haben auf jeden Fall keine Ärmelschoner und Sitzkissen. Uns macht die Arbeit Spaß. Der programmatische Teil unserer Arbeit ist nahezu beendet. Wir können mit einem klaren Konzept gegen Naturzerstörer, Umweltvergiftung, gegen Ungleichbehandlung von Frauen in unserer Gesellschaft, gegen Massenarbeitslosigkeit und Armut in den Wahlkampf gehen.

ZEIT: Was ist wichtiger für die Zukunft der Grünen: die Bonner Selbstbehauptung oder die Wiesbadener Mitregierung?