Diese von Thomas Henry Huxley stammende Wendung kann verschiedenes bedeuten. Sie kann sich auf die Stellung beziehen, die der Mensch, biologisch gesehen, in der Natur tatsächlich einnimmt – dies die von Huxley gemeinte Bedeutung –, aber auch auf die Stellung, die er einnehmen sollte. Beide Bedeutungen verdienen einige Überlegung.

Aristoteles, der vom Berberaffen (einem Makaken aus Gibraltar oder Marokko) gewiß Kenntnis hatte, erkannte die anatomische Ähnlichkeit gewisser Tiere mit dem Menschen; die Unterschiede zwischen Affen und Menschen waren jedoch so beträchtlich, daß man von dieser Idee lieber Abstand nahm. Der wohl tiefste Kulturschock, den Menschen bis zum Auftreten Darwins erlebten, verband sich mit der Entdeckung menschenähnlicher Affen in Afrika und Südostasien im Zuge der großen Entdeckungsreisen im 15. und 16. Jahrhundert, durch die Europa von der übrigen Welt erfuhr. „Orang-Utan“ war das malaiische Wort für „Waldmensch“, und der große Systematiker Carl von Linne (1707-1778) erteilte diesem Geschöpf dann den Namen Homo silvestris orangoutang. Linné faßte den Menschen mit den menschenähnlichen Affen zu den Anthropomorpha zusammen. Nikolas Tulp (1593-1674), der Anatom aus Rembrandts berühmtem Gemälde, hat als erster einen Schimpansen seziert und beschrieben; der erste anatomische Vergleich zwischen einem Affen (einem jungen Schimpansen, den man als „Pygmäen“ bezeichnete) und dem Menschen wurde aber bekanntlich 1699 von dem Londoner Arzt Edward Tyson durchgeführt.

Weil Menschen jeder Art miteinander fortpflanzungsfähig sind, nahmen der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) und der Naturforscher Buffon (1707-1788) an, daß die Menschen eine einzige Spezies bilden. Dieser Ansicht waren auch Darwin und Huxley, während Ernst Haeckel (1834-1919) und St. Vincent noch die Vorstellung hegten, es könne mehrere menschliche Spezies geben.

„Erst in ziemlich späten Entwicklungsstadien weist der Mensch deutliche Unterschiede zum jungen Menschenaffen auf“, bemerkte Huxley, „ein Umstand, der mir an sich hinreichend erscheint, die strukturelle Einheit des Menschen mit... den Menschenaffen über jeden Zweifel zu erheben.“ Heute besteht über die allgemeine Einstufung des Menschen kein Dissens; die Menschen sind Wirbeltiere, die der Ordnung der Primaten, der Unterordnung der Simiiden oder Anthropoiden, der Familie der Hominiden und der Gattung Homo angehören. Über die vernünftigste Bezeichnung für die Spezies Mensch ist das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen. Homo sapiens, der gebräuchlichste Ausdruck, war angesichts der logischen Fähigkeiten des Menschen eine gute Wahl, deren wesentlicher – eher literarischer als taxonomischer – Nachteil jedoch darin besteht, daß Zyniker daran allzu leicht mit ihren langweiligen Bemerkungen über den Gegensatz zwischen der nominellen Weisheit des Menschen und seinem praktischen Mangel an Weisheit anknüpfen können. Andere Benennungen waren Homo faber, womit besonders auf die Befähigung des Menschen zur Werkzeugherstellung hingewiesen wird, und Homo docens, worin sich die Ansicht niederschlägt, daß es das herausragende Merkmal des Menschen sei, alles das, was zum kulturellen Erbe der Menschheit gehört, Generation für Generation zu lehren und zu lernen.

Nun kann man nach der Stellung fragen, die der Mensch mit Rücksicht auf seinen Rang einnehmen sollte – den Rang des höchsten Produkts der Evolution. Hier geht es, wie das Wort „sollte“ verdeutlicht, um moralische Dinge, die jenseits der Wissenschaft im engeren Sinne liegen. Die Beziehung, die der Mensch zur übrigen Schöpfung haben sollte, läßt sich in einem Wort zusammenfassen, und dieses Wort lautet nicht Herrscher, nicht Lehnsherr, ja nicht einmal Meister, sondern – Treuhänder. Schon in der Grundschule sollten die Kinder lernen, daß die Menschen gegenüber der Nachwelt die Pflicht haben, das System der Natur intakt zu erhalten, daß sie ihr Erbe in einem Zustand weitergeben sollten, der nicht schlechter ist als der, in dem sie es empfangen haben, sondern eher besser. Jede Generation sollte vor dem Gedanken erschrecken, daß spätere Generationen sie als Vandalen verurteilen werden, schuldig der mutwilligen Zerstörung, des Genozids und anderer Handlungen vom moralischen Kaliber der Piraterei.

Wahrscheinlich werden viele Biologen der Ansicht sein, daß Charles Darwin das letzte Wort haben sollte. Im letzten Absatz der „Abstammung des Menschen“ schrieb er: „Wir müssen indessen anerkennen, wie mir scheint, daß der Mensch mit allen seinen edlen Eigenschaften, mit der Sympathie, welche er für die Niedrigsten empfindet, mit dem Wohlwollen, welches er nicht bloß auf andere Menschen, sondern auch auf die niedrigsten lebenden Wesen ausdehnt, mit seinem gottähnlichen Intellekt, welcher in die Bewegungen und die Konstitution des Sonnensystems eingedrungen ist, mit allen diesen hohen Kräften doch noch in seinem Körper den unauslöschlichen Stempel eines niederen Ursprungs trägt.“

Aus dem philosophischen Lexikon der Biologie „Aristotle to Zoos“ von Peter B. Medawar und Jean S. Medawar