Wiens Bürgermeister Helmut Zilk hat sich mit Leib und Seele der architektonischen Innenstadtpflege verschrieben. Denkmalsanierungen und neue Projekte dienen vornehmlich einem Zweck: der Anhebung des touristischen Reizes der Donaustadt.

Krauthappel“ nennen die Wiener mit liebevoller Respektlosigkeit die Kugelkuppel der Secession. Der Kohlkopf von Volksmunds Gnaden prangt neuerdings in frischgoldenem Glanz, Ende Januar öffnete das 1898 erbaute Jugenstilkunsthaus nach einer 40 Millionen Schilling (etwa 5,7 Millionen Mark) teuren Restaurierung wieder seine Pforten.

Das Blattgold fürs Kuppeldach ist einem amerikanischen Sponsor zu verdanken – Ronald S. Lauder, dem künftigen US-Botschafter in Wien. Daß das ganze Haus wieder in strahlendem Weiß blitzt, daß man das Souterrain erweiterte sowie Foyer und Halle auf die ursprüngliche Form des Erbauers Joseph Maria Olbrich zurückbrachte, ist zwar letztendlich das Verdienst aller österreichischen Steuerzahler, aber die Idee zur gründlichen Überholung des Musentempels stammt von Wiens Bürgermeister Helmut Zilk.

Anfang der achtziger Jahre hatte Zilk – damals als Kulturstadtrat – die Vision von einem „Kulturboulevard“ auf der Strecke zwischen dem Konzerthaus und dem Theater an der Wien entwickelt. Nach diesem Konzept sollte die Secession vom reinen Ausstellungszum multifunktionalen Veranstaltungsgebäude umgemodelt werden. Nach Zilks Konzepten gedieh denn auch der Umbau, heute können in der Secession Musik- und Theaterveranstaltungen steigen, Video-Dokumentationen laufen.

Auch das publikumswirksamste Objekt von „Traum und Wirklichkeit“, dem Ausstellungsrenner des letzten Jahres, hat im Keller des Hauses erneut Herberge gefunden. Gustav Klima „Beethoven-Fries“, ursprünglich für die Secession geschaffen, ist dort jetzt mehrere Jahre lang ständig ausgestellt.

Zilks Lieblingsprojekt seit Jahren ist freilich keine Kunsthalle, sondern das still vor sich hin rottende „Ronacher“, der erste Varieté-Theaterbau im gesamten deutschen Sprachgebiet. Als Fernsehmann hat Zilk dort früher selber Studioaufzeichnungen gemacht, später, als Politiker, hat er sich stetig über die Reaktivierung des maroden Prachtbaus den Kopf zerbrochen, in seiner kurzen Amtsperiode als Unterrichtsminister hat er vor zwei Jahren gar schon einmal 20 Millionen Schilling Subvention für die Sanierung bewilligt. Vollständig gesichert ist diese freilich erst seit ein paar Wochen, sie kostet nämlich insgesamt stolze 250 Millionen Schilling (fast 36 Millionen Mark).

Zu welchen kulturellen Zwecken das Ronacher künftig genutzt werden soll, bleibt indessen erst einmal recht vage. Der ansonsten redselige Bürgermeister übt sich in Zurückhaltung. Gewiß ist nur, daß das Haus bereits jetzt für die Eröffnung der Wiener Festwochen 1988 reserviert ist, gewiß ist ferner die Realisierung des Zilkschen Postulats nach einem Mehrzweckbau. Theater, Musical und Fernsehen sollen gleichermaßen unters Dach passen.