Warum ist Gesang erotisch, Herr Kollo?... Tenören schreibt man häufig eine besondere erotische Ausstrahlung zu. Zu Recht?... Muß eine Stimme bestimmte Eigenschaften haben, um überhaupt erotisch wirken zu können?... Was empfinden Sie, wenn Sie Spitzentöne singen?... Viele Erfolge hatten Sie auf dem Grünen Hügel in Bayreuth. Was macht Wagner für Sie erotisch?... Bayreuth gilt als Kultstätte der Klangsinnlichkeit. Hat das Festspiel-Erlebnis für Sie etwas Erotisches?... Halten Sie sich für ein Sex-Idol?... Ist Gesang ein stilisierter Brunstlaut?... Werden Sie durch das Singen selbst erotisch angeregt?

Fragen von Thomas Garms und Mathias Döpfner an René Kollo im FAZ-Magazin vom 31. 1. 1986

Für Liebhaber und Kenner

16 Millionen Mark für zweieinhalb Stunden Folter ist ein Preis, der das Mittelalter in Erstaunen versetzt hätte. Doch immerhin bekam man auch etwas dafür: So grausam ging es auf den Burgen über Nürnberg und Salzburg nicht zu, wie am letzten Mittwoch in der (von der Industrie bezahlten) ARD-Show zum Hundertsten des Automobils,. „Die Zukunft hat Geburtstag“. Wencke Myhre und Karel Gott im Duett „Unterwegs in die Freiheit“, „Auto-Corso der Nationen“ (Citroën mit Can-Can-Girls und Nissan mit Geishas) und Niki Lauda, vom Auto-Tod gezeichnet, in einem Go-Cart aus Plastik durch Raum und Zeit schwebend – da hätten die Meister vom spanischen Stiefel noch lernen können. Schade nur, daß unser lieber guter Bundespräsident, der ja auch überall dabei sein muß, so arglos in die Falle tapste. Mancher Zuschauer hätte ihn gerne aus der Glotze zu sich ins rettende Wohnzimmer gezogen, doch die Hans-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart, Ort des peinlichen Gerichts, war so fern. Und man mußte hilflos zusehen, wie des freundlichen Mannes Gesicht, vom Schmerz gefurcht, zusehends versteinerte. Wie inzwischen aus dem Sender, dem Süddeutschen Rundfunk, zu hören war, soll die Schau, arrangiert von Sado-Spezialist Michael Pfleghar, demnächst auf den Markt kommen – allerdings nur in geschlossenen Videotheken. Neben „Venus im Pelz“ und „Sklaven der Lust“ wird sich, darüber herrscht unter Kennern kein Zweifel, „Die Zukunft hat Geburtstag“ mit Bravour behaupten.

Beuys, eine Korrektur

Von der „quasi-religiösen Effizienz der Aktionen und Deklamationen“ des Joseph Beuys handelte Werner Schmalenbach in seinem Nachruf auf den Künstler (ZEIT Nr. 5). Durch die telephonische Übertragung wurde daraus eine „quasi-seriöse“ Qualität. Wir bedauern den Anfall von Hörschwäche.