Immer nur samstags

Amerikanische Bomberflugzeuge greifen regelmäßig Stellungen der israelischen Armee an. Das aber soll geheim bleiben, um Washingtons Diplomaten Ärger mit den Arabern zu ersparen. wie das amerikanische Magazin Newsweek erfahren haben will, nutzt die amerikanische Marine ein Angebot der Israelis, deren Ausbildungseinrichtungen zu benutzen, und Marinepiloten der Sechsten Flotte fliegen seit drei Monaten Angriffe – Scheinangriffe natürlich – gegen Militäreinrichtungen in der israelischen Wüste Negev. Die ständige Übung muß die arabischen Staaten verärgern – weil sie sowieso etwas gegen enge israelisch-amerikanische Zusammenarbeit haben und weil sie in den Negev-Flügen die Vorbereitung einer ernstgemeinten Attacke auf arabische Ziele vermuten könnten. Damit alles geheim bleibt, fanden die Übungsangriffe bislang nur samstags statt – weil am staatlichen und religiösen Ruhetag auch die meisten Soldaten der israelischen Luftwaffe nicht im Dienst sind.

Privatisierung

New Yorks Bürgermeister Edward Koch behandelte ihn zuerst noch wie einen guten Freund, dann wollte er nichts mehr mit ihm zu tun haben und nannte ihn schließlich gar einen Gauner: Donald Manes, Kochs höchster Beamter im Stadtteil Queens, ist in einen Bestechungsskandal so verwickelt, daß er auch den guten Ruf des ehrenwerten Major Koch in Gefahr bringen könnte. Jeden Tag gewinnt die Affäre neue Dimensionen. Es begann damit, daß Polizisten Manes mit aufgeschnittenen Pulsadern in seinem Auto fanden – ein gescheiterten Selbstmordversuch, dessen Motiv bald klar wurde: Ein Untergebener von Manes, zuständig für die Bestrafung von Parksündern, hatte angeblich gegen 5000 Dollar Bestechungsgeld einer Privatfirma den Auftrag erteilt, die Falschparker von Queens aufzuspüren. Kurz darauf meldete sich ein Rechtsanwalt, der behauptet, Manes für einen ähnlichen Auftrag zum Parksünderjagen 30 000 Dollar gegeben zu haben. Und im New Yorker Stadtteil Bronx wurde jetzt ein dritter Fall von Bestechung mit demselben Ziel bekannt. Edward Koch läßt die Vorgänge untersuchen – die dubiose Vergabe hoheitlicher Aufgaben aber lastet ihm an, auch wenn er selbst davon nichts wußte.

Glückwünsche

Traurig, daß auch nette Menschen älter werden. Und wenn sie dazu noch so wichtig sind, wie Rudolf Walter Leonhardt es für die ZEIT seit jeher war, dann ist diese Tatsache geradezu tragisch. Der Leo war 34, als wir ihn 1955 liebevoll in unseren Kreis integrierten; wir, die damals die ZEIT machten, waren nicht mehr als zwei Dutzend Leute, da kam es wirklich auf jeden an. Zunächst war er Mitglied der politischen Redaktion, dann Chef des Feuilletons, das unter ihm eine große Blüte erlebte, und als er sich nach siebzehn Jahren nach neuer Bewährung sehnte, wurde er Reporter. Heute ist er Berater der Chefredaktion. Sein Rat, in vielen Bereichen – menschlichen und fachlichen – gleichermaßen erprobt, in manchen Stürmen gefestigt und allzeit durch liberale Toleranz vertieft, ist sehr gefragt. Dieser Leo wird am 9. Februar 65. Das erste einschneidende Datum, an dem man mit Fug und Recht einem Menschen sagen darf, daß er unentbehrlich ist, was hiermit geschieht – angereichert durch viele gute und freundschaftliche Wünsche der ganzen Redaktion.

Dff