Vor dem Oktober 1982 hatten die spanischen Sozialisten zugesichert, sie würden nach einem Wahlsieg die Bevölkerung darüber entscheiden lassen, ob Spanien in der Nato bleiben solle. Damals spekulierten sie zu Recht auf einen weitverbreiteten Anti-Amerikanismus; heute wünscht Regierungschef Gonzales die Eingliederung in den Westen, in die Europäische Gemeinschaft und die Nordatlantische Allianz.

Das Referendum findet, wie versprochen, nun am 12. März statt, und die Regierung bittet um wenig: Ein Ja zur Mitgliedschaft, aber ohne Integration in die militärische Kommando-Struktur und ohne Atomwaffen auf spanischem Boden, bei gleichzeitigem Abbau der amerikanischen Truppenpräsenz. Selbst für dieses bescheidene Ziel ist eine Mehrheit nicht gewiß.

Kein Politiker bekennt gern, er habe unter anderem eine Wahl mit einer Proklamation gewonnen, die er hinterher am liebsten widerrufen möchte. In dem Konflikt zwischen einem alten Versprechen und einer neuen Einsicht läßt Gonzales den Wähler entscheiden. Damit geht er in der Tat ein Risiko ein – im schlimmsten Fall das Risiko, noch länger in der Öffentlichkeit für das werben zu müssen, was er einmal selbst für falsch gehalten hat. Solange wird die Nato auf einen zuverlässigen Partner warten müssen. bi.