Von Hermann Bößenecker

Zwei junge Elektronik- und Informatik-Ingenieure hatten nicht nur eine Idee, sondern entdeckten auch noch die Marktlücke dazu. Ihr Einfall: Computer zum Sprechen zu bringen. Die Marktlücke: An Spracherkennungs- und -ausgabegeräten sind Kunden in neun europäischen Ländern nachweislich höchst interessiert. Im Jahre 1982 gründeten Kasimir Arciszewski und Hans Meiler die Firma Speech Design.

Im gleichen Jahr hat der Diplomingenieur Alfred Reinhold in Wunstorf bei Hannover die Feinfocus Röntgensysteme ins Leben gerufen. Die Firma entwickelt, produziert und vertreibt spezielle Röntgengeräte für die zerstörungsfreie Prüfung von Materialien in der Industrie. Dabei entstehen scharfe Röntgenbilder selbst bei 200-facher Vergrößerung, die direkt am Bildschirm betrachtet werden können. Obwohl das Prinzip dieses Verfahrens bereits seit fünfzig Jahren bekannt ist, wurde es erst in jüngster Zeit technisch realisiert. Feinfocus hat dabei einen Marktvorsprung.

Eine Gruppe von Physikern und Technikern in Wien gründete im vergangenen Jahr die IMS-Ionen Mikrofabrikationssysteme. Die Firma produziert Maschinen, die vor allem für die industrielle Herstellung winziger Chips im Submikrometer-Bereich (weniger als ein Tausendstel Millimeter) verwendet werden.

Drei Beispiele für praxis- und marktnahe Innovation und für junge Firmen, die sich zutrauen, für ganze Branchen Pionierdienste zu leisten. Drei Beispiele auch für die Geburts- und Entwicklungshilfe durch neue Finanzierungspraktiken. An den drei Firmen ist die TVM Techno Venture Management in München beteiligt, die vor gut zwei

Jahren gegründet wurde, um einer für Deutschland relativ jungen Finanzdienstleistung auch hierzulande zum Durchbruch zu verhelfen. Inzwischen ist venture capital kein Fremdwort mehr. Es gibt schon an die dreißig deutsche Firmen, die sich nach amerikanischem Vorbild bemühen, Wagniskapital für avantgardistische Unternehmensneulinge zu erschließen.

Die meisten davon sind von ebenso verständnisvollen wie ehrgeizigen Politikern angeregt worden, die ihren Regionen Unternehmer-Originalität und technische Zukunftsperspektiven sichern wollten – und sich dabei zugleich ein Denkmal setzen. TVM, die größte Gesellschaft unter den neuartigen Finanziers, war im Herbst 1983 von der Münchner Kapitalanlagefirma TRV Treuhand-Vermögensverwaltung, zwei Partnern in den USA und Großbritannien sowie Siemens gegründet worden. Die Beteiligung des Elektrokonzerns hat Techno Venture auf Anhieb zu einer beachtlichen finanziellen Manövriermasse verholfen.