Die "grünen Gen-Techniker" versuchen, Nutzpflanzen gezielt gegen Krankheiten und Unkrautvernichtungsmittel resistent zu machen

Von Christine Broll

Jede andere Pflanze wäre zugrunde gegangen an dieser Dosis des Herbizids Glyphosat. Doch die nur zehn Zentimeter großen Tabakpflänzchen haben die Attacke gut überlebt. Auch 40 Tage nach der an sich tödlichen Behandlung entwickeln sie sich ausgezeichnet, wenn auch etwas langsamer als ihre unbesprühten Artgenossen. Das verdanken sie den Genetikern der kalifornischen Genfirma Calgene. Sie haben in das Erbgut der Tabakpflanzen ein Gen eingeschleust, das die Gewächse resistent gegen das Herbizid macht.

Den Auftrag bekamen die Kalifornier vom Chemieriesen Monsanto, der den Wirkstoff Glyphosat unter dem Handelsnamen "Roundup" vertreibt und damit einer der Marktführer auf dem Agrochemikaliengebiet ist. Wie der Name schon andeutet ist Roundup ein Rundumherbizid: es zerstört praktisch alle wachsenden Pflanzen und kann daher nur dort zum Einsatz kommen, wo sämtliche Pflanzen beseitigt werden sollen – zum Beispiel auf Bahndämmen. Doch die Firma Monsanto will sich nicht mit diesem Marktanteil begnügen. Sie möchte ihr Roundup auch für die Anwendung auf dem bestellten Acker verkaufen. Damit dies möglich ist, muß aber die Kulturpflanze widerstandsfähig gegen das Herbizid sein.

Schon arbeiten die findigen Geningenieure von Calgene daran, das Resistenzgen auch in Sojabohnen und Baumwolle einzusetzen. Und mit der großen Saatgutfirma Dekalb Agresearch ist schon abgesprochen, auch den Mais glyphosatresistent zu machen.

Das sind erfreuliche Aussichten – für Monsanto. Denn der Roundup-Umsatz wird durch die neuen Anwendungsmöglichkeiten sicher steigen – und zusätzlich kann die Firma gleich noch die passende Pflanze im praktischen Paket mitliefern. Für die Umwelt sehen die Bilanzen dagegen düster aus, denn Herbizide bedeuten immer eine Belastung für den Acker.

Probleme mit dem Getreide