Eine Militärrevolte zwang Diktator Ferdinand Marcos zur Flucht ins amerikanische Exil. An der Spitze der meuternden Soldaten standen Verteidigungsminister Juan Ponce Enrile und der stellvertretende Generalstabschef Fidel Ramos. Über Nacht wurde „Johnny“ Enrile zum Volkshelden. Über zwanzig Jahre lang hatte er zuvor Marcos gedient. Als Verteidigungsminister verschaffte er dem von Marcos 1972 ausgerufenen Kriegsrecht mit aller Härte Geltung. Ist Enrile zum Demokraten geworden? Viele seiner früheren Gegner nehmen ihm seine Bekehrung nicht ab.

Als unser Korrespondent ihn letzten Sonntag im Verteidigungsministerium interviewte, zeigte Enrile ihm die drei Bücher, die er mitgenommen hatte, als er sich mit dreihundert Soldaten im Camp Aguinaldo verschanzte: „The Idea of Law“, von Dennis Lloyd, „Revolutionary Change“ von Chalmers Johnson und „The Art of War“, die klassische chinesische Kriegslehre von Sun Tzu. „Wissen Sie“, sagte Enrile, „wenn man sich auf einen solchen Gang macht, sollte man noch einmal seine Bibliothek durchschauen, bevor man das Haus verläßt.“

ZEIT: Warum haben Sie nach so langer Zeit als Verteidigungsminister mit Marcos gebrochen und sich auf die Seite von Frau Aquino geschlagen?

Enrile: Während der vergangenen Jahre habe ich als Kabinettsmitglied viele politische Meinungsverschiedenheiten mit Präsident Marcos gehabt. Wir hatten Differenzen darüber, wie das Verteidigungsministerium und das Militär geführt werden sollten, aber auch darüber, wie der politischen Unruhe in unserem Lande begegnet werden sollte. Ich konnte jedoch nicht mit Marcos brechen, weil ich dann schutzlos und der Vergeltung ausgesetzt gewesen wäre.

ZEIT: Wann entschlossen Sie sich, dem Marcos-Regime den Rücken zu kehren?

Enrile: Das begann schon in den frühen achtziger Jahren. Es fing an mit einer kleinen Gruppe, die wuchs und wuchs und schließlich zu einer beachtlichen Organisation wurde. Wir erlebten die Wahlen von 1984, und die verliefen relativ korrekt. Es gab Unkorrektheiten, aber in einem Lande wie dem unseren sind Wahlen nun einmal nicht hundert Prozent sauber. Doch dann verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage, und die Probleme der inneren Sicherheit nahmen zu. Die Glaubwürdigkeit der Administration schwand dahin.

Dann kündigte der Präsident kurzfristig Neuwahlen an. Ich war dagegen und wies ihn auf das Risiko hin. Ich sagte ihm, das politische Klima in unserem Land sei ungünstig, vor allem wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, aber auch wegen der Ermordung des Oppositionsführers Aquino, die immer noch hohe Wellen schlug.