Das Volkswagenwerk kann einen zufriedenen Blick nach Stuttgart werfen, muß aber auch mit Skepsis nach Ingolstadt schauen. Grund dafür ist der neue Allradantrieb für das Erfolgsmodell „Golf“. Der „Syncro“ (so bezeichnet Wolfsburg seine Vierradantriebe) kostet zwar rund 3500 Mark mehr als das Grundmodell, aber das sieht noch relativ erträglich aus, wenn man es mit den 12 400 Mark vergleicht, die Mercedes für seine neue Allradtechnik (allerdings mit ABS und Antischlupfsystem) fordert. Die Besorgnis gilt jedoch der eigenen VW-Tochter Audi. In Ingolstadt hatte nämlich der Trend, Großserienautos auf beiden Achsen anzutreiben, seinen Ausgang genommen: Die „Quattros“ fuhren Audi nicht nur ruhmreiche Siege bei Rallyes ein, sie verschafften dem Unternehmen auch einen soliden Absatzerfolg. Audi hat ein kompliziertes technisches System für den Quattro, Volkswagen hingegen benutzt jetzt ein einfacheres, aber pfiffiges System, das die Antriebskraft je nach Fahrtzustand oder Bodenbeschaffenheit auf die beiden Achsen verteilt. Kernstück dieses Verfahrens ist eine Buchse voller Lamellen, durch die schwergängiges Silikonöl gedrückt wird. Diese Lamellen gleichen Drehzahlunterschiede zwischen der Vorder- und der Hinterachse aus; je nach Straßenzustand verlagert diese Visco-Kupplung mehr oder weniger Antriebskraft auf die Vorder- oder Hinterachse. Dieses Verfahren erzielt erstaunlich gute Fahreigenschaften, die VW-Techniker lassen hinter vorgehaltener Hand keinen Zweifel daran, daß sie dieses Syncro-System für besser halten als Audis Quattro-Technik. Das bedeutet, daß Audi nun auch seine Modelle schrittweise umstellen muß. Aber auch der Golf Syncro, der zur Zeit nur mit dem 1,8-Liter-Motor (90 PS) angeboten wird, ist noch nicht das technische Endziel der Wolfsburger. Der Wagen ist zwar schon mit Katalysator erhältlich, aber die wünschenswerte Vollendung wäre ein Syncro mit ABS. Dieses Bremssystem erlaubt es, die Vorzüge des Allradantriebs auch beim Bremsen zu nutzen. Versuchswagen mit ABS rollen bereits, bald sollen sie auch bei den VW-Händlern stehen. Der zur Zeit erhältliche Golf Syncro ist wie die CL-Version ausgestattet, er kostet 24 400 Mark.