Von Matthias Naß

Manila, im März

Der Jubel in den Straßen Manilas ist abgeklungen. Nach Wochen der Ungewißheit, des Protestes, des Aufruhrs und schließlich des Triumphes von "Peoples Power" über die Diktatur ist die Hauptstadt der Philippinen wieder zum Alltag zurückgekehrt, doch die strahlenden und stolzen Gesichter sind geblieben.

Wer wollte den Filipinos ihren Stolz mißgönnen? Ihre friedliche Revolution hat der Welt ein Beispiel gegeben. Zwanzig Jahre lang fühlten sie sich verachtet als "50 Millionen Feiglinge mit einem Bastard" an der Spitze. Nun sehen sie sich plötzlich als "Darling der Demokratie" umworben. "Nie war ich stolzer, ein Filipino zu sein", rief die neue Präsidentin Corazon Aquino den Millionen zu, die sich am Sonntag im Rizal-Park von Manila zu einer Dankmesse versammelt hatten. Die Jahre der Unterdrückung, des Leides und der Korruption und der Raffgier seien vorbei – "beendet von einer Revolution des Friedens, der Gebete, der Rosenkränze und der Radios, vor allem aber des menschlichen Mutes".

Stolz sind die Filipinos vor allem, weil sie den Sieg über die Diktatur aus eigener Kraft errungen haben. In der entscheidenden Stunde gingen die Einwohner Manilas zu Hunderttausenden auf die Straße, um die kleine Schar der revoltierenden Militärs in Camp Aguinaldo und Camp Crane vor den Panzern der Marcostreuen Marines zu schützen. Nur "mit Blumen und mit Brot" in den Händen seien die Zivilisten den Soldaten des Regimes entgegengetreten, sagt Aquilino Pimentel, der neue Minister für die lokalen Regierungen, den Marcos ins Gefängnis warf und unter Hausarrest stellte. "Wir haben die Revolution gewonnen, nicht weil uns eine ausländische Macht geholfen hat, sondern weil die Filipinos gegen die Diktatur aufgestanden sind."

"Free again" – endlich wieder frei! – in großen Lettern künden gelbe Transparente im Geschäftsviertel Makati davon, daß die Nation ihre Würde zurückgewonnen hat. Die allgegenwärtige Nationalflagge symbolisiert einen neuerwachenden Patriotismus. "Wir haben ein ruhmreiches Kapitel unserer Geschichte geschrieben", rief Kardinal Jaime Sin auf der Dankmesse aus, um dann jedoch vor "voreiliger Euphorie" zu warnen: "Unser Job ist erst zu zehn Prozent getan."

Auch die neue Regierung hütet sich, allzu hohe Erwartungen zu wecken. "Unser Kampf ist noch nicht vorüber, er hat gerade erst angefangen", zügelte Cory Aquino den Überschwang der Menge im Rizal-Park und ihr Vizepräsident, Salvador Laurel, versprach: "Wir werden härter arbeiten als je zuvor." Eine gewaltige Anstrengung steht den Filipinos bevor, wenn sie das Land aus den Trümmern, die das Marcos-Regime hinterlassen hat, aufbauen wollen.