Die Schwedische Touristik-Information hat einen Partner zur Finanzierung ihres Vier-Millionen-Mark-Etats gefunden, der nicht direkt am Tourismus-Geschäft beteiligt ist: Der Autohersteller Stab wirbt im Reisekatalog aufacht Seiten um neue Kunden.

Sonnenölanzeigen und Fährschiffreklamesind in Reisekatalogen nichts Neues. Neu sind dagegen Auto-Anzeigen, wie sie jetzt die schwedische Firma Saab im offiziellenTouristikkatalog ihrer Landsleute plaziert.

Die ungewohnte Werbung ist nurein Teil der Zusammenarbeit zwischen Saab und der Schwedischen Touristik-Information: Als Anziehungspunkt wird den Besuchern von Tourismus-Messen am schwedischen Stand als Aushängeschild für das Land ein Saab präsentiert. 500 000 Mark läßt sich die Autofirma ihr Engagement bei der Touristik-Information kosten.

Damit machen sich für die Schwedische Touristik-Information jetzt mehrere insgesamt gut 200 000 Mark teure Marktuntersuchungen der letzten fünf Jahre über den typischen Schweden-Urlauber bezahlt. Der ist zwischen 35 und 55 Jahre alt, fährt mit Frau und halberwachsenem Kind in den Urlaub, besitzt eine hohe kulturelle und politische Bildung und hat, so Claes Almer, Direktor der Schwedischen Touristik-Information in Deutschland, „den Mut, etwas anderes zu tun“. Ein weiteres wichtiges Resultat der Marktstudien: Schweden-Urlauber reisen meist mit dem Auto an.

Eben hier liegt das Interesse der Saab-Werber, die ihrerseits aufgrund eigener Untersuchungen genau wissen, wie ihr potentieller Kunde aussieht: ganz ähnlich dem deutschen Schweden-Touristen.

Der fährt allerdings nicht unbedingt ein schwedisches Auto: Nur fünf- bis sechstausend Wagen kann Saab im Jahr auf dem hartumkämpften deutschen Automarkt absetzen. Der Schweden-Katalog gibt dem Autohersteller jetzt die Möglichkeit, gezielter um Käufer ihrer nicht eben billigen Produkte zu werben.

Der Katalog, dessen Kosten von knapp einer Million Mark bereits ein Viertel des Etats der Touristik-Information verschlingen, hat eine Auflage von 300 000 Stück; gelesen wird er aber, so Claes Almér, von weit über einer Million Interessenten – mit steigender Tendenz, wie die wachsende Nachfrage vermuten läßt: Im Vergleich zum Vorjahr gingen bei den Schweden in diesen Wochen bereits 42 Prozent mehr Katalog-Anforderungen ein, auch die Anfragen von Reisebüros stiegen um 20 Prozent.