Berliner Eisbein, geschmorte Schweinerippchen, Rinderbrust mit pikanter Tunke, gebratener Hering und deftige Erbsensuppe. Herzhaftes signalisieren die Gerichte. Schlachteplatte und Bratwurst statt Lachsmousse und Wachtelbrüstchen: deutsche Küche, wie man sie im Erzgebirge oder in der Oberlausitz zubereitet. Die Rezepte zu derlei handfestem Schmaus sind zu finden in einem Buch, das Restaurantführer ist und zugleich von den Eß- und Trinkgewohnheiten in der DDR erzählt.

Gastronomische Entdeckungen in der DDR, Manfred Otto; Verlag Die Wirtschaft, Berlin 1984; 296 Seiten, 58 Mark.

100 Rezepte werden darin präsentiert zusammen mit den 100 Gaststätten, in denen danach gekocht wird – für jedes Restaurant ein typisches Gericht. Gegliedert ist das Buch nach Regionen von Berlin über Thüringen und den Harz bis nach Mecklenburg. Jedes Kapitel beginnt mit einem kleinen Kulturführer durch die jeweilige Küche. So erfährt man, daß Wallenstein eine Berliner Weiße für den besten Durststiller nach einer heißen Schlacht gehalten haben soll, daß die Thüringer Rostbratwurst 1613 zum erstenmal urkundlich erwähnt wurde, daß Meißner Fummeln süße Backwaren sind. Bei der Beschreibung der einzelnen Gaststätten wird vor allem ihre Historie in den Vordergrund gestellt und auf Sehenswürdigkeiten in der Umgebung aufmerksam gemacht. Preise fehlen, dafür sind die Öffnungszeiten angegeben.

Ein Restaurantführer mit kritischer Wertung ist das Buch nicht, aber dafür ein interessant zu lesender Streifzug durch die kulinarische Tradition im anderen Deutschland. Ein Plus ist die reiche, zum größten Teil farbige Bebilderung, die auch die Gaststätten von innen zeigt. put