Von Dietrich Unbehaun

Da mußte durch“, sagte Pascal zu mir. Und fügte hinzu: „Alter Schwede“, mit der Betonung auf dem ersten Wort, wobei er nach der Silbe „Al“ ein wenig singend innehielt. Wir – mein Sohn, 16, und ich, 46 – wären auf dem Weg von Hannover nach Hamburg zum „AC/DC“-Konzert. Ohne Auto wäre der Rockabend für meinen Sohn ausgefallen, und darum fuhr ich ihn. Der Moderator vom „Club“ auf NDR II erzählte was von Heavy-Metal-Großereignis, er hätte extra einen Ü-Wagen hingeschickt, um uns ein Interview mit „Angus“ live zu präsentieren, und wir sollten doch, bitte schön, nicht vor Begeisterung in die Leitplanken fahren. Wir nahmen seinen Rat ernst und kamen schnell in die Nähe der Ernst-Merck-Halle, die im Halbdunkel aussah wie eine verlassene Zementfabrik.

„Alter Schwede“, sagte Pascal anerkennend. Wir umkreisten den Metaller-Tempel zweimal. Ich parkte das Auto vor einem mit Brettern vernagelten Häuschen und schob die Antenne zusammen, weil ich nicht wußte, ob Metaller vorstehende Autoantennen lieben.

Es war saukalt. Ich zog meinen Pullover aus und dafür eine Motorradlederjacke an, die ich mir geliehen hatte. Metaller aus verschiedenen Richtungen tauchten aus der Dunkelheit auf, kleine Gruppen, die frierend zum Eingang gingen. Viel Leder, einige Parkas. In Parkbuchten und Auffahrten Polizei.

Wir passierten einen meterhohen Drahtzaun. Die erste Kontrolle war einfach einer, der uns nur ansah. Die zweite Kontrolle tastete uns von den Knöcheln bis zum Adamsapfel ab, suchte nach Waffen und Gerät. Ich kannte das von den Flughäfen und hob automatisch beide Arme hoch. Die Frau, die Pascal filzte, holte ihm eine Nietenmanschette aus der Tasche und wollte ihn damit nicht durchlassen.

„Komm, gib’s deinem Vater“, versuchte ich zu beruhigen, aber der Ober-Ordner aus meiner Reihe hatte schon abgewinkt. Als der dritte Kontrolleur unsere Karten „okay“ fand, waren wir durch.

Die roten und blauen Tücher, unter der Hallendecke gespannt, erinnerten mich an die lila Halstücher auf dem Kirchentag in Hannover. Der Rest der Halle war aber ganz Zementfabrik. Plötzlich verstand ich den Menschen vom Hamburger Verkehrsamt. Als ich mich per Telephon erkundigt hatte, wie man am besten von der Autobahn zur Ernst-Merck-Halle komme, hamburgerte er zurück: „Die gibt das nicht mehr, die ist schon lange abgerissen.“