Wie Oslo über die Durststrecken niedriger Öleinnahmen hinwegkommen will

Von Wolfgang Zank

Völlig unvorbereitet waren die Norweger nicht gewesen, aber mit einem solchen Rutsch hatte dann doch niemand gerechnet: Noch im November vergangenen Jahres kostete ein Barrel Rohöl – das sind 159 Liter – mehr als dreißig Dollar, nun sind es weit unter zwanzig Dollar. Ein Barrel der Sorte Brent-Blend wurde Anfang Februar schon, bei Lieferung im Mai, für ganze 15,05 Dollar verkauft.

Grund für den Preisverfall ist ein Strategiewechsel Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten am Persischen Golf: Im August hatten sie die eigene Förderung verdoppelt, um mit Hilfe des dadurch ausgelösten Preisfalls andere ölproduzierende Länder zur Räson zu bringen. Adressaten dieses Manövers waren zum einen Abweichler innerhalb des Ölkartells Opec, die sich nicht an Absprachen zur Begrenzung der Produktionsmenge gehalten hatten, zum anderen Förderländer außerhalb der Opec – wie eben Norwegen.

Da im gleichen Zeitraum auch noch der Kurs des Dollar absackte, bekamen die Ölförderer nun nicht nur weniger Dollar fürs Öl als vorher, diese wenigen Dollar waren auch noch weniger wert. Im Fall Norwegens hieß das: Im ersten Quartal 1985 flössen noch 280 Kronen pro Barrel in die Kassen; Mitte Februar 1986 waren es noch ganze 116.

Im vergangenen Jahr hatten die Norweger noch als die Glückspilze des Nordens gegolten. Die 1971 begonnene Ölförderung in der Nordsee bescherte ihnen Einkommen von etwa:

  • einem Fünftel des Bruttosozialproduktes,
  • einem Fünftel der öffentlichen Einnahmen und
  • fast zwei Fünftel der Exporte.