Von Friedhelm Gröteke

Wo Carlo De Benedetti mitmischt, da bleibt guter Gewinn hängen. Der italienische Finanzjongleur, Präsident und zweitgrößter Aktionär des Informatikkonzerns Olivetti, gehört heute zu den reichsten Männern Italiens.

Am vergangenen Wochenende hat "König Carlo" seinen jüngsten Coup gelandet. Er erwarb für den vergleichsweise bescheidenen Betrag von umgerechnet 180 Millionen Mark neunzehn Prozent vom Aktienkapital des französischen multinationalen Konzerns Valeo, der in der Autozubehörbranche arbeitet. Mit 28 000 Beschäftigten in 110 Fabriken, die über sechzehn Länder verteilt sind, erzielte die Valeo im vergangenen Jahr einen Umsatz von 3,6 Milliarden Mark.

Der Zeitpunkt der Übernahme war gut gewählt. Valeo-Aktien notieren derzeit wegen einer momentanen Schwäche niedrig – und außerdem bot gerade die in einer Verluststrähne steckende britische Gesellschaft Lucas ihr Valeo-Paket von sechs Prozent feil. Flugs brachte Carlo De Benedetti ein Aktionärskonsortium zusammen, das vierzig Prozent des Valeo-Kapitals und damit die relative Mehrheit kontrolliert. Italiens Manager Nummer eins ist in diesem Konsortium als größter einzelner Aktionär der Primus inter pares.

Ein starker Partner ist Carlo De Benedetti damit auch für das Stuttgarter Unternehmen Bosch geworden, das fünf Prozent der Valeo-Aktien hält und diese, wie aus Stuttgart verlautet, "aus strategischen Gründen behalten will". Erstmals knüpft De Benedetti damit, wenn auch indirekt, einen Pakt mit einem großen deutschen Unternehmen. Da der Italiener ebenfalls Anteile in der Produktion von Autozubehör besitzt und mit der Fiaam Filiter die größte europäische Herstellerin von Autofiltern kontrolliert, setzt er offenbar wieder einmal auf seine bewährte Strategie zur Bildung von Produktionsschwerpunkten.

In der Autozubehörbranche hatte der studierte Elektroingenieur einst mit einer kleinen Firma angefangen, die rasch expandierte. 1978 brachte er sein Unternehmen in den italienischen Autokonzern Fiat ein und erhielt dafür einen Fünf-Prozent-Anteil am Fiat-Kapital und den Chefposten neben Giovanni Agnelli, der zusammen mit seinem Bruder Fiat-Großaktionär ist.

Die Zeit bei Fiat war für De Benedetti allerdings nur ein kurzes Zwischenspiel. Die Auto-Manager mochten seinen Führungsstil der schnellen, oft auch schmerzhaften, stets an Leistung und am wirtschaftlichen Erfolg gemessenen Entscheidungen nicht akzeptieren.